Du hast ein Portfolio aus 70 % Aktien-ETF und 30 % Anleihen-ETF aufgebaut. Nach einem guten Börsenjahr: plötzlich 80 % Aktien und 20 % Anleihen — weil Aktien stärker gestiegen sind. Dein Risikoprofil hat sich verschoben. Genau dafür gibt es Rebalancing.
Was ist Rebalancing?
Rebalancing bedeutet: Die ursprüngliche Zielgewichtung deines Portfolios wiederherstellen. Du verkaufst von dem, was überdurchschnittlich gestiegen ist, und kaufst nach von dem, was zurückgeblieben ist. Ziel: Risikoprofil stabil halten und antizyklisch agieren (günstig kaufen, teuer reduzieren).
Wichtig: Rebalancing ist kein Versuch, den Markt zu timen. Es ist reine Risikokontrolle.
Wann solltest du rebalancieren?
| Methode | Wann | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Kalenderbasiert | 1x jährlich (z. B. 1. Januar) | Einfach, planbar | Ggf. unnötiger Eingriff |
| Schwellenwert-basiert | Wenn Gewichtung >5% abweicht | Nur bei echtem Bedarf | Erfordert Monitoring |
| Kombination | Jährlich + 5%-Schwelle | Ausgewogen | Etwas mehr Aufwand |
| Via Sparplan | Monatlich automatisch | Steuerfrei, kein Aufwand | Nur bei neuen Einzahlungen |
Empfehlung für die meisten Anleger: 1x jährlich kalenderbasiert, kombiniert mit einem 5 %-Schwellenwert. Bedeutet: Du schaust einmal im Jahr rein. Weicht eine Position mehr als 5 % von der Zielgewichtung ab, rebalancierst du — ansonsten nicht.
Rebalancing via Sparplan — der smartere Weg
Der einfachste und steuerschonendste Weg: Statt Anteile zu verkaufen, kaufst du monatlich mehr von dem, was untergewichtet ist. Wenn dein Aktien-ETF auf 80 % gestiegen ist (Ziel: 70 %): sparst du einen Monat nur in den Anleihen-ETF, bis die Gewichtung stimmt. Keine Verkäufe = keine Steuer.
Diese Methode funktioniert gut bei aktiven Sparplänen, aber nicht mehr bei reinen Entnahmephasen. Mehr zur Kombination Sparplan + Strategie: Zwei-ETF-Portfolio aufbauen.
Kostet Rebalancing Steuern?
Ja — wenn du Anteile mit Gewinn verkaufst. Bei einem 70/30-Portfolio, das auf 80/20 verschoben ist: Du verkaufst Aktien-ETF-Anteile (mit Buchgewinn) und zahlst darauf 26,375 % Abgeltungssteuer. Steuertipp: Nur rebalancieren, wenn Gewinne durch den Sparerpauschbetrag (1.000 €/Jahr) gedeckt sind. Mehr: Abgeltungssteuer bei ETF. Alternativ: Robo-Advisor übernimmt Rebalancing automatisch und optimiert dabei steuerlich. Zum Robo-Advisor Vergleich.