Passiv oder aktiv: Was die Daten sagen
Zwischen 80 und 92 Prozent aller aktiv gemanagten Fonds schlagen ihren Vergleichsindex über 15 Jahre nicht. Das ist keine Meinung — das ist die SPIVA-Studie, die S&P jedes Jahr veröffentlicht. Und trotzdem zahlen Millionen Deutsche Jahr für Jahr Gebühren für aktive Fonds.
Warum? Weil die Fondsbranche gut darin ist, Hoffnung zu verkaufen. "Unser Manager schlägt den Markt" klingt überzeugender als "Wir bilden den Index nach und kassieren weniger." Dabei ist genau letzteres die Strategie, die funktioniert.
Passives Investieren heißt: Du kaufst den Markt, so wie er ist. Kein Fondsmanager, keine Wetten, keine Prognosen. Ein ETF auf den MSCI World enthält einfach alle Unternehmen im Index — gewichtet nach Marktkapitalisierung. Der Rest läuft von selbst.
Die SPIVA-Studie: Harte Fakten zum aktiven Management
S&P Dow Jones Indices veröffentlicht jährlich die sogenannte SPIVA-Studie (S&P Indices Versus Active). Sie vergleicht aktive Fonds mit ihrem jeweiligen Benchmark-Index — über verschiedene Anlageklassen und Zeiträume hinweg. Die Ergebnisse sind konsistent und ernüchternd für aktive Manager:
| Zeitraum | Anteil aktiver Fonds, die ihren Index NICHT schlagen |
|---|---|
| 1 Jahr | ca. 60–70% |
| 5 Jahre | ca. 75–80% |
| 10 Jahre | ca. 85–90% |
| 20 Jahre | über 90% |
Das bedeutet: Über einen Zeitraum von 10 Jahren schlägt nur etwa jeder zehnte aktiv gemanagte Fonds seinen Vergleichsindex — nach Kosten. Und selbst die wenigen "Gewinner" wechseln regelmäßig: Ein Fonds, der in einem Jahrzehnt überdurchschnittlich war, ist es im nächsten oft nicht mehr.
Warum schlagen aktive Fonds den Markt nicht?
Die Gründe sind vielschichtig — und gut erforscht. Hier die wichtigsten:
1. Kosten fressen die Rendite
Aktive Fonds sind teuer. Die laufenden Kosten (TER) liegen oft bei 1,5% bis 2,5% pro Jahr — zuzüglich möglicher Ausgabeaufschläge von 3–5% beim Kauf. Passive ETFs kosten dagegen oft nur 0,05% bis 0,25% pro Jahr.
Dieser Unterschied von 1,5–2 Prozentpunkten muss der aktive Manager Jahr für Jahr allein durch bessere Aktienwahl wieder hereinholen — nur um gleich zu stehen. Das ist eine enorme Hürde, die die meisten nicht dauerhaft überwinden.
Beispiel: Bei einem investierten Kapital von 100.000 Euro entsprechen 1,5% Mehrkosten 1.500 Euro pro Jahr — Geld, das in einem passiven ETF für den Anleger arbeiten würde.
2. Survivorship Bias verzerrt die Wahrnehmung
Wenn wir auf aktive Fonds schauen, sehen wir nur jene, die noch existieren. Fonds, die besonders schlecht abgeschnitten haben, werden liquidiert oder mit anderen Fonds zusammengelegt — und verschwinden aus den Statistiken. Das nennt sich Survivorship Bias.
Berücksichtigt man auch die "toten" Fonds, fällt die Bilanz für aktives Management noch schlechter aus als die SPIVA-Zahlen ohnehin zeigen.
3. Informationseffizienz macht es schwer
Die sogenannte Effizienzmarkthypothese besagt, dass aktuelle Kurse bereits alle öffentlich verfügbaren Informationen enthalten. In einem effizienten Markt ist es extrem schwer, dauerhaft Vorteile gegenüber anderen Marktteilnehmern zu erzielen — zumal institutionelle Investoren die besten Daten, Analysten und Algorithmen einsetzen.
In Märkten wie dem S&P 500 oder dem MSCI World, die von professionellen Investoren dominiert werden, ist Informationsvorsprung nahezu unmöglich. Jede neue Information wird binnen Millisekunden eingepreist.
4. Häufiges Handeln erhöht Kosten und Steuern
Aktive Fonds handeln deutlich häufiger als passive. Das verursacht Transaktionskosten und — bei steuerpflichtigen Konten — häufige Realisierungen von Kursgewinnen. Beide Faktoren schaden der Netto-Rendite des Anlegers.
Wann kann aktives Management sinnvoll sein?
Trotz aller Kritik gibt es Szenarien, in denen aktives Management zumindest diskutabel ist:
- Ineffiziente Nischenmärkte: In weniger beobachteten Märkten — wie Small Caps aus Schwellenländern oder spezialisierte Anleihesegmente — gibt es weniger professionelle Konkurrenz. Hier ist Informationsvorsprung etwas wahrscheinlicher. Allerdings sind auch diese Fonds teuer und die Erfolgsrate bleibt gering.
- Absolute-Return-Strategien: In Phasen hoher Volatilität können Fonds, die aktiv in Cash gehen dürfen, Verluste begrenzen. Dafür bezahlt man mit entgangenen Gewinnen in Boomphasen.
- Steueroptimierung durch Tax-Loss Harvesting: Einige aktive Ansätze nutzen bewusst Verluste, um die Steuerlast zu optimieren. Robo-Advisor wie Scalable Capital machen das automatisiert.
Für die große Mehrheit der Privatanleger bleiben diese Ausnahmen theoretisch. Der durchschnittliche aktive Fonds im Depot eines Privatkunden ist kein Nischenprodukt mit Informationsvorteil — sondern ein teurer Large-Cap-Fonds, der gegen günstige ETFs verliert.
Factor-ETFs: Der smarte Mittelweg
Zwischen "vollständig passiv" und "vollständig aktiv" gibt es eine spannende Mittelzone: Factor-ETFs (auch Smart Beta ETFs genannt). Diese ETFs bilden keinen klassischen marktgewichteten Index nach, sondern gewichten Aktien nach bestimmten Faktoren, die historisch mit höherer Rendite assoziiert sind:
- Value: Günstig bewertete Aktien (niedriges KGV, KBV)
- Small Cap: Kleinere Unternehmen mit historisch höherer Rendite
- Momentum: Aktien, die sich zuletzt gut entwickelt haben
- Quality: Profitable Unternehmen mit stabilen Cashflows
- Low Volatility: Aktien mit geringen Kursschwankungen
Factor-ETFs sind günstiger als aktive Fonds (TER meist 0,2–0,4%), aber teurer als reine Markt-ETFs. Ob sie dauerhaft Mehrrendite liefern, ist wissenschaftlich umstritten — denn sobald ein Faktor bekannt ist, wird er vom Markt eingepreist. Dennoch sind sie für erfahrenere Anleger eine interessante Ergänzung.
Fazit: Passiv gewinnt — langfristig und meistens
Die Evidenz ist eindeutig: Für die überwiegende Mehrheit der Privatanleger ist passives Investieren via ETFs die überlegene Strategie. Niedrige Kosten, breite Diversifikation, kein Prognoserisiko und hohe Steuereffizienz sprechen klar dafür.
Aktive Fonds können in einzelnen Jahren oder Segmenten überzeugen — aber dauerhaft und nach Kosten ist das die absolute Ausnahme. Wer auf den nächsten Starfondsmanager setzt, spielt gegen die Wahrscheinlichkeit.
Robo-Advisor wie Ginmon, quirion oder Scalable Capital setzen konsequent auf passives Investieren — kombiniert mit automatischem Rebalancing und Steueroptimierung. Das ist kein Kompromiss, sondern die logische Konsequenz aus der Datenlage.