Ein Freund hat mir kürzlich erzählt, er investiere nur in "nachhaltige ETFs". Er hatte einen MSCI World ESG Leaders gekauft. Auf Nachfrage: Er wusste nicht, dass der Fonds ExxonMobil, Chevron und Lockheed Martin enthält. Alles legal, alles regelkonform — aber das war nicht was er sich vorgestellt hatte. Das ESG-Label hat ihn irregeführt.

Hier ist was die Labels wirklich bedeuten, was in gängigen ESG ETFs tatsächlich steckt — und wann man von Greenwashing sprechen kann.

ESG, SRI, Impact: Was ist der Unterschied?

ESG steht für Environmental, Social, Governance — also Umwelt, Soziales, Unternehmensführung. Ein ESG-Rating bewertet wie ein Unternehmen in diesen Bereichen performt. Aber ESG ist kein Ausschluss-Kriterium, sondern ein Score. Ein Ölkonzern der gut geführt wird und wenig korrupt ist, kann einen guten ESG-Score haben — trotzdem ist sein Kerngeschäft fossile Energie.

SRI steht für Socially Responsible Investing und schließt bestimmte Branchen aktiv aus: Waffen, Tabak, Glücksspiel, oft auch Kohle und Öl. Das ist restriktiver als ESG. Impact Investing geht noch weiter: Es versucht direkt messbare positive Wirkung zu erzielen — zum Beispiel durch Investitionen in erneuerbare Energien oder Mikrofinanz. Impact ETFs sind selten und teurer.

Was steckt wirklich im MSCI World ESG?

Der MSCI World ESG Leaders Index nimmt die oberen 50% der Unternehmen nach ESG-Score aus jedem Sektor. Das klingt nach Selektion — ist es auch, aber nicht so wie man es erwartet. Weil "Top 50% pro Sektor" bedeutet: Auch der ESG-beste Ölkonzern darf rein. Auch der ESG-beste Rüstungskonzern. Chevron, ExxonMobil, BAE Systems — alle vertreten, weil sie in ihrer Branche relativ gut abschneiden.

Verglichen mit dem Standard MSCI World enthält der ESG Leaders Index etwa 15–20% weniger Unternehmen. Die Gewichtung verschiebt sich leicht Richtung Tech und Healthcare, weg von Energie und Grundstoffen. Aber es ist keine fundamentale Transformation des Portfolios — es ist eine graduelle Verschiebung.

Paris-Aligned Benchmarks: Strenger, aber noch nicht perfekt

Die EU hat zwei offizielle Klimabenchmarks definiert: Climate Transition Benchmark (CTB) und Paris-Aligned Benchmark (PAB). PAB ist strenger: CO₂-Intensität muss mindestens 50% unter dem Referenzindex liegen, jährliche Reduktion von 7%, bestimmte Branchen wie Kohle und Ölsand sind komplett ausgeschlossen.

ETFs auf PAB-Indizes — zum Beispiel der Amundi MSCI World Climate Paris Aligned — sind tatsächlich deutlich "grüner" als Standard-ESG-ETFs. Aber auch hier gibt es Einschränkungen: Der Ausschluss basiert auf Umsatz-Schwellenwerten. Ein Mischkonzern mit 20% Kohleumsatz könnte noch drin sein.

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Rendite-Vergleich: ESG vs. Standard

Die häufigste Frage: Kostet Nachhaltigkeit Rendite? Die kurze Antwort: In den letzten zehn Jahren nicht wirklich. ESG-ETFs haben ähnliche Renditen wie ihre Standard-Pendants erzielt, teils sogar leicht besser — weil der Tech-Sektor übergewichtet war und Energie untergewichtet, was in der Periode 2015–2022 ein Vorteil war.

Ob das so bleibt, ist ungewiss. Wenn Energie-Aktien stark outperformen — wie 2022 — hinken ESG-ETFs hinterher. Das ist kein Problem, sondern Konsequenz: Wenn du fossile Energie ausschließt, profitierst du auch nicht wenn Öl-Aktien explodieren. Das ist eine bewusste Entscheidung, keine Fehler.

Welche ETFs sind wirklich grün?

Für echte Nachhaltigkeit brauchst du ETFs mit klaren Ausschlusslisten. Der iShares MSCI World SRI schließt Waffen, Tabak, Alkohol, Glücksspiel, Kohle, Ölsand und Kernenergie aus. Der Amundi MSCI World PAB folgt den Paris-Abkommen-Zielen mit CO₂-Reduktionspfad. Der Xtrackers MSCI World ESG Screened ist ein Mittelweg mit weichen Ausschlüssen.

Wichtig: Immer die Fondsdokumentation öffnen und den "Screening Approach" lesen. Broschüren lügen selten offen, aber sie betonen das Positive. Die tatsächliche Ausschlussliste und die Top-10-Holdings sagen mehr als das Marketing.

LabelStrengeTypische AusschlüsseEinsatz
ESGGeringKeine festen AusschlüsseScore-basiertes Ranking
SRIMittelWaffen, Tabak, GlücksspielSektoren ausschließen
PABHochKohle, Ölsand + CO₂-PfadKlima-Ausrichtung
ImpactSehr hochAlles außer positiver WirkungDirekte Wirkungsziele

ESG-ETFs sind kein Betrug — aber das Label allein sagt wenig. Wer wirklich nach Werten investieren will, muss tiefer schauen als das Label auf dem Deckblatt.

Fazit: Nachhaltig investieren mit System statt Label

Für echte Nachhaltigkeit gilt: SRI- oder PAB-ETFs mit expliziten Ausschlusslisten wählen, Fondsdokumentation lesen, Top-Holdings prüfen. Wer das nicht selbst tun möchte, kann zu einem Robo-Advisor wechseln, der explizite ESG-Portfolios mit verifizierten Ausschlusskriterien anbietet. Dazu gehören quirion (ESG-Portfolios auf Anfrage) und mehrere andere Anbieter im Robo-Advisor Vergleich.