Ein Kind, das mit 18 Jahren ein schuldenfreies Startkapital von 20.000 Euro oder mehr bekommt, hat einen Lebensstart, den sich die meisten wünschen. Mit einem Junior-Depot und 50 Euro Sparplan pro Monat ist das realistisch — wenn man früh genug anfängt.

Was ist ein Junior-Depot?

Ein Junior-Depot (auch Kinderdepot) ist ein Wertpapierdepot, das Eltern oder Großeltern für ein minderjähriges Kind eröffnen. Das Kind ist rechtlicher Eigentümer des Depots. Ab dem 18. Geburtstag kann es selbst darüber verfügen. Eltern dürfen das Geld nicht für eigene Zwecke verwenden — es ist rechtlich dem Kind zugeordnet.

Wie viel wird aus einem Junior-Depot?

Monatliche RateLaufzeitAngenommene RenditeEndkapital (ca.)
25 €18 Jahre7 % p.a.ca. 11.700 €
50 €18 Jahre7 % p.a.ca. 23.400 €
100 €18 Jahre7 % p.a.ca. 46.700 €
50 € + 1.000 € Einmalanlage18 Jahre7 % p.a.ca. 27.000 €

Steuerliche Vorteile beim Kinderdepot

Kinder haben ihren eigenen Sparerpauschbetrag: 1.000 Euro pro Jahr steuerfrei. Bei 7 % Rendite auf 23.000 Euro macht das rund 1.610 Euro Kapitalerträge — teilweise über dem Pauschbetrag, aber weit unter dem Grundfreibetrag (12.084 € in 2026). Mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) vom Finanzamt können Kinder bis zum Grundfreibetrag komplett steuerfrei anlegen.

Welche ETFs eignen sich für ein Kinderdepot?

Für einen 18-jährigen Anlagehorizont gilt: Risiko ist kein Problem, Volatilität ist dein Freund. Ein einfaches, breit diversifiziertes Portfolio reicht:

  • 1 ETF: Vanguard FTSE All-World (thesaurierend) — Industrieländer + Schwellenländer, 1 ETF, kein Rebalancing nötig
  • 2 ETFs: 80 % MSCI World + 20 % MSCI Emerging Markets — etwas mehr Kontrolle über Gewichtung

Kein Anleihen-ETF nötig — der Horizont ist lang genug um Marktschwankungen auszusitzen. Kein Themen-ETF (KI, Krypto, Energie) — zu viel Konzentrationsrisiko für ein Kinderdepot.

Können auch Großeltern ein Depot für Kinder eröffnen?

Ja. Großeltern können für Enkel ein Junior-Depot eröffnen und Schenkungen bis 400.000 Euro alle 10 Jahre steuerfrei übertragen (Schenkungsteuer-Freibetrag je Großelternteil). Das ermöglicht eine steueroptimierte Vermögensübertragung über Generationen.

Wer den gesamten Sparprozess vollautomatisch gestalten will, kann auch einen Robo-Advisor für das Kinderdepot nutzen — manche Anbieter wie Oskar oder quirion bieten spezielle Kinderdepot-Angebote an.

Welcher Broker ist am besten für Kindersparpläne?

Nicht jeder Broker erlaubt die Depoteröffnung für Minderjährige. Die folgende Tabelle zeigt die relevantesten Anbieter im Vergleich:

BrokerDepot für MinderjährigeSparplan-MindestrateKosten Sparplan
DKBJa (ab Geburt)50 €0 €
INGJa (ab Geburt)1 €0 €
ComdirectJa (ab Geburt)25 €0 €
Trade RepublicNein (Mindestalter 18)
Oskar (Robo)Ja, speziell für Kinder25 €ab 0,80 % p.a.
quirionJa30 €ab 0,48 % p.a.

Trade Republic erlaubt aktuell keine Depoteröffnung für Minderjährige — hier müssen Eltern ein eigenes Depot führen und das Geld formal zuordnen, was steuerlich und rechtlich unvorteilhaft ist. ING und Comdirect sind in diesem Bereich die flexibelsten klassischen Broker.

Was man beim Kinderdepot steuerlich beachten muss

Kinder sind steuerlich eigenständige Personen. Das bedeutet: Sie haben ihren eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr (Stand 2026). Kapitalerträge bis zu diesem Betrag sind automatisch steuerfrei — vorausgesetzt, ein Freistellungsauftrag wird beim Broker gestellt.

Noch wichtiger: Kinder haben einen eigenen Grundfreibetrag von 12.084 Euro (2026). Liegen die gesamten Einkünfte des Kindes darunter, fällt gar keine Steuer an. Um sicherzustellen, dass der Broker keine Kapitalertragsteuer einbehält, sollten Eltern beim zuständigen Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) für das Kind beantragen und beim Broker einreichen. Diese ist in der Regel 3 Jahre gültig.

Wichtig: Das Kinderdepot darf nicht für elterliche Ausgaben genutzt werden — das könnte als Schenkungsrücknahme gewertet werden und steuerliche Konsequenzen haben.

Übergabe mit 18: So bereitest du dein Kind vor

Mit dem 18. Geburtstag wird aus dem Junior-Depot ein reguläres Depot. Dein Kind entscheidet dann selbst was mit dem Geld passiert. Damit diese Übergabe sinnvoll verläuft, ist eine frühzeitige finanzielle Bildung entscheidend: Was sind ETFs? Warum nicht alles auf einmal ausgeben? Wie funktioniert ein Sparplan?

Sinnvoll: Schon ab 14 oder 16 Jahren das Kind in die monatliche Depotübersicht einbeziehen. Zeigen, wie Wertschwankungen normal sind. Erklären, was Rebalancing bedeutet. Wer früh mit dem Thema vertraut ist, trifft mit 18 bessere Entscheidungen.

Den Renditevergleich zwischen Einmalanlage und Sparplan kannst du konkret mit dem Sparplan-Rechner durchführen. Für den Vergleich zwischen selbst geführtem Depot und vollautomatischem Robo-Advisor für Kinder empfiehlt sich ein Blick in den Artikel Robo-Advisor für Kinder 2026.