Wenn der MSCI World ein neues Allzeithoch erreicht, zögern viele Anleger. Die Logik klingt intuitiv: "Teurer kann es kaum noch sein, besser warten." Aber diese Logik ist ein klassischer kognitiver Fehler — und sie kostet Rendite.
Was sagen die Daten?
Historisch war der MSCI World an ca. 30 % aller Handelstage auf einem Allzeithoch. Das bedeutet: Allzeithochs sind keine Ausnahme — sie sind der Normalzustand eines langfristig steigenden Marktes. Wer nur kauft wenn der Markt korrigiert hat, wartet oft jahrelang.
| Einstieg | Rendite nach 1 Jahr (historisch avg.) | Rendite nach 5 Jahren | Rendite nach 10 Jahren |
|---|---|---|---|
| Am Allzeithoch | +10,3 % | +53 % (ann. ~9 %) | +138 % (ann. ~9 %) |
| Beliebiger Zeitpunkt | +10,1 % | +52 % (ann. ~9 %) | +137 % (ann. ~9 %) |
| Nach 10 % Korrektur | +12,8 % | +58 % (ann. ~10 %) | +145 % (ann. ~9,3 %) |
Der Unterschied ist minimal. Wer am Allzeithoch kauft, erzielt nahezu die gleiche Rendite wie bei einem Zufallseinstieg. Der einzige signifikante Unterschied: Wer auf eine Korrektur gewartet hat und dann gekauft hat — aber das Warten kann Monate oder Jahre dauern.
Warum das Warten auf den "richtigen Moment" teuer ist
Viele Anleger warten auf "den Crash" — und verpassen in der Wartezeit Kursgewinne. Ein Beispiel: Wer zwischen 2018 und 2023 auf "den richtigen Moment" gewartet hat, hat 5 Jahre Kursgewinne verpasst — trotz COVID-Crash und 2022-Korrektur. Der Markt ist nach jedem Einbruch höher gestiegen als vorher.
Das Konzept "time in market vs. timing the market" ist eindeutig: je länger du investiert bist, desto mehr Wertsteigerung nimmst du mit. Mehr dazu: Langfristig anlegen und Behavioral Finance.
Was ist mit dem kurzfristigen Risiko direkt nach dem Kauf?
Ja — kurz nach dem Allzeithoch kann ein Rückgang kommen. Historisch ist das aber kein Argument gegen den Kauf, sondern für einen langen Zeithorizont. Bei 10+ Jahren Haltedauer ist der Einstiegszeitpunkt statistisch irrelevant. Wer nach 12 Monaten schon verkaufen muss, hat das falsche Produkt für seinen Zeithorizont gewählt. Mehr zur Frage wie lange halten: Wie lange ETF halten?
Praktischer Tipp: Sparplan als Psychologieschutz
Wer grundsätzlich Angst vor dem Allzeithoch hat, ist mit einem monatlichen ETF-Sparplan am besten bedient: automatisch kaufen, egal ob Hoch oder Tief. Der Cost-Average-Effekt nimmt die Einstiegspunkt-Entscheidung aus der Gleichung.
Fazit: Kaufen trotz Allzeithoch ist richtig
Kein Allzeithoch-Zögern. Der Markt erreicht Allzeithochs regelmäßig — und wer dann nicht investiert, verpasst die Gewinne bis zum nächsten Allzeithoch. Die Statistik ist klar: Allzeithoch-Einstieg performt annähernd gleich wie jeder andere Einstiegszeitpunkt. Jetzt anfangen und durchhalten ist der Plan.