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Was sind Emerging Markets?

Emerging Markets (EM) — auf Deutsch: Schwellenländer — bezeichnen Volkswirtschaften, die sich in einem beschleunigten wirtschaftlichen Entwicklungsprozess befinden und zwischen Entwicklungs- und Industrieländern einzuordnen sind. Der MSCI Emerging Markets Index umfasst derzeit 26 Länder, darunter China, Indien, Brasilien, Taiwan, Südkorea, Saudi-Arabien und Mexiko.

Wichtige Kennzahl: Emerging Markets repräsentieren laut IWF-Daten rund 43 % des globalen BIP (nach Kaufkraftparität, 2025) — aber nur rund 11–12 % der globalen Marktkapitalisierung und damit einen entsprechend kleinen Anteil im MSCI World.

Warum sind Emerging Markets im MSCI World unterrepräsentiert?

Der MSCI World bildet ausschließlich Industrieländer ab — 23 Länder nach MSCI-Klassifikation. Schwellenländer sind bewusst ausgeschlossen. Die Gründe für die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichem Gewicht (BIP) und Kapitalmarktgewicht:

  • Kapitalmarktreife: EM-Börsen haben oft geringere Liquidität, weniger institutionelle Investoren und schlechtere Regulierung.
  • Eigentümerstruktur: Viele EM-Unternehmen (besonders in China) sind staatlich kontrolliert, was den frei handelbare Streubesitz ("Free Float") reduziert.
  • Zugangsbeschränkungen: Einige EM-Märkte (z. B. China A-Shares) waren lange für ausländische Investoren schwer zugänglich.

Das Ergebnis: Eine Volkswirtschaft wie China, die über 18 % des globalen BIP ausmacht, ist im MSCI World mit 0 % vertreten und im MSCI ACWI (der EM einschließt) mit nur etwa 3 %.

Historische Performance: MSCI World vs. Emerging Markets

Zeitraum MSCI World (p.a.) MSCI Emerging Markets (p.a.) Gewinner
5 Jahre (2020–2025) +13,2 % +3,1 % MSCI World
10 Jahre (2015–2025) +11,4 % +5,2 % MSCI World
20 Jahre (2005–2025) +8,9 % +7,6 % MSCI World
2000–2010 ("verlorenes Jahrzehnt") -1,5 % +15,9 % Emerging Markets

Die Daten zeigen: In den letzten 10–20 Jahren hat der MSCI World Emerging Markets deutlich übertroffen — maßgeblich durch die starke Performance US-amerikanischer Tech-Aktien (Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet), die heute rund 65 % des MSCI World ausmachen. Das "verlorene Jahrzehnt" (2000–2010) hingegen war eine Glanzzeit für EM, während westliche Märkte stagnierten.

Die Schlussfolgerung: Wer ausschließlich auf historische 20-Jahres-Daten schaut, sieht EM als Underperformer. Wer die zyklische Natur beider Märkte versteht, sieht EM als wertvollen Diversifikationsanker — besonders für den Fall, dass die US-Dominanz der nächsten Dekade nachlässt.

Risiken bei Emerging Markets

Politisches Risiko

EM-Länder haben oft weniger stabile politische Systeme. Regulatorische Eingriffe (wie Chinas Tech-Regulierung 2021, die ETF-Kurse um 30–50 % drückte), Verstaatlichungen oder geopolitische Spannungen können Aktienmärkte kurzfristig stark treffen. Das Risiko lässt sich durch Streuung über viele EM-Länder reduzieren — nicht eliminieren.

Währungsrisiko

EM-Währungen schwanken stärker als Euro oder Dollar. Eine starke Abwertung des brasilianischen Real oder der türkischen Lira trifft auch den ETF-Wert in Euro, selbst wenn die Lokalmarkt-Performance positiv war. Nicht alle EM-ETFs sichern Währungsrisiken ab (Hedging wäre teuer).

Liquiditätsrisiko

Kleinere EM-Märkte (z. B. Ägypten, Pakistan) haben geringere Handelsvolumina. In Stressphasen kann die Liquidität einbrechen, was Kursschwankungen verstärkt. Breit gestreute EM-ETFs mildern dieses Risiko durch Konzentration auf die größten EM-Märkte (China, Indien, Taiwan, Brasilien = ca. 65 % des MSCI EM).

Das klassische 70/30-Portfolio

Die bekannteste EM-Strategie für Privatanleger ist das 70/30-Portfolio: 70 % MSCI World + 30 % MSCI Emerging Markets. Die Logik: EM machen grob 30 % des frei investierbaren Weltmarkts aus — wer 30 % in EM hält, ist näher an der "wahren" globalen Marktgewichtung als der MSCI World allein.

Vorteile des 70/30:

  • Mehr Diversifikation über geografische Regionen und Wirtschaftssysteme
  • Partizipation am Wachstum Asiens, Lateinamerikas, Afrikas
  • Historisch geringere Korrelation zu Industrieländern (EM läuft teilweise gegenläufig)

Nachteile:

  • Höhere Volatilität durch EM-Schwankungen
  • Steuererklärung und Rebalancing komplexer als mit einem Einzel-ETF
  • In den letzten 10 Jahren wäre 100 % MSCI World besser gewesen
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Alternative: MSCI ACWI

Der MSCI All Country World Index (ACWI) kombiniert Industrie- und Schwellenländer in einem Index — rund 85 % Industrieländer, 15 % EM. Er ist weniger EM-lastig als ein 70/30-Portfolio, aber breiter als der MSCI World allein. Vorteil: Ein ETF, kein Rebalancing, geringere Komplexität. Nachteil: Wer eine stärkere EM-Gewichtung möchte, muss trotzdem separat aufstocken.

Konkrete ETF-Empfehlungen für die EM-Beimischung

ETF ISIN TER Volumen Besonderheit
iShares Core MSCI EM IMI IE00BKM4GZ66 0,18 % > 22 Mrd. EUR Breitester EM-Index (Small Caps inklusive)
Xtrackers MSCI EM Swap LU0292107645 0,20 % ca. 5 Mrd. EUR Günstige TD durch synthetische Replikation
Vanguard FTSE Emerging Markets IE00B3VVMM84 0,22 % ca. 3 Mrd. EUR FTSE-Index (Südkorea = EM, nicht Industrieland)
HSBC MSCI Emerging Markets IE00B5SSZT21 0,15 % ca. 2 Mrd. EUR Günstigste TER unter etablierten EM-ETFs

Achtung FTSE vs. MSCI: Vanguard-ETFs nutzen den FTSE-Index, der Südkorea als Emerging Market klassifiziert. MSCI-ETFs stufen Südkorea als Industrieland ein. Das führt zu ca. 15 % Unterschied in der Ländergewichtung. Wer MSCI World + Vanguard EM kombiniert, hat Südkorea doppelt — wer MSCI World + MSCI EM kombiniert, hat es einmal.

Wann sollte man Emerging Markets weglassen?

EM-Beimischung ist nicht für jeden sinnvoll:

  • Kurzer Anlagehorizont (< 10 Jahre): EM-Volatilität erhöht das Risiko von Verlusten zum Entnahmezeitpunkt. Bei unter 10 Jahren Horizont ist ein reines MSCI-World-Portfolio oft risikoärmer.
  • Geringer Portfoliowert (< 10.000 Euro): Zwei ETFs bedeuten doppelten Verwaltungsaufwand und doppelte Ordergebühren. Erst ab einem gewissen Depotvolumen lohnt die Aufteilung.
  • Geringe Risikobereitschaft: Wer EM-Schwankungen von 30–40 % emotional nicht verträgt, schläft mit einem reinen MSCI-World-ETF besser.
  • Einfachheit als Priorität: Ein MSCI ACWI-ETF gibt 85/15-Gewichtung mit einem Produkt. Für viele Anleger ist das der beste Trade-off aus Diversifikation und Einfachheit.