Du zahlst seit Jahren Ordergebühren bei der Hausbank — und hast gerade entdeckt, dass du das Gleiche kostenlos bei Trade Republic oder ING haben könntest. Der Wechsel ist einfacher, als du denkst — und er ist steuerfrei. Was du wissen musst, bevor du anfängst.

Depot-Übertrag: Was bedeutet das genau?

Ein Depot-Übertrag bedeutet: Deine ETF-Anteile werden 1:1 zum neuen Broker übertragen — ohne Verkauf, ohne Steuern. Die Anteile wechseln den "Hüter", nicht den Besitzer. Steuerlich passiert nichts, weil kein Verkauf stattfindet. Einstandspreise (FIFO), Anschaffungsdaten und die Anzahl der Anteile bleiben identisch.

Wichtig: Ein Depot-Übertrag ist etwas anderes als ein Depot-Auflösung mit Wiederanlage. Bei der Auflösung wird alles verkauft — dabei entstehen steuerliche Realisierungen. Beim Übertrag passiert das nicht.

ETF Sparplan Bank wechseln — Depot übertragen steuerfrei 2026

Schritt-für-Schritt: So funktioniert der Depot-Übertrag

  1. Neues Depot eröffnen: Beim Zielmakler (z. B. Trade Republic, Scalable, ING) ein Depot eröffnen. Das Depot muss aktiv sein, bevor der Übertrag initiiert werden kann.
  2. Depot-Übertrag beantragen: Beim neuen Broker einen "Depotübertrag"-Antrag stellen. Fast alle Broker haben dafür ein Online-Formular. Du gibst Depotinhaber, alte Depotnummer und zu übertragende Positionen an.
  3. Alten Broker nicht kündigen: Den alten Broker erst kündigen, wenn der Übertrag abgeschlossen ist. Kündigung vor Übertrag = Verzögerungen oder Probleme.
  4. Bearbeitungszeit: 10–20 Werktage — je nach Brokern und Wertpapierart. Währenddessen sind die Anteile nicht handelbar.
  5. Kontrolle und Abschluss: Nach Eingang beim neuen Broker alle Positionen prüfen: Anzahl, Einstandspreise, Anschaffungsdaten. Bei Diskrepanzen sofort Kontakt mit dem neuen Broker.

Was passiert mit bestehenden Sparplänen?

SituationSparplan beim alten BrokerSparplan beim neuen Broker
Während des ÜbertragsLäuft weiter, bis AbschlussNoch nicht aktiv
Nach ÜbertragMuss manuell gekündigt/pausiert werdenMuss neu eingerichtet werden
Automatische Übertragung?Nein — Sparpläne werden nicht übertragen, nur Anteile

Sparpläne sind nicht Teil des Übertrags. Du musst beim neuen Broker den Sparplan neu einrichten. Den alten Sparplan beim bisherigen Broker rechtzeitig pausieren oder kündigen — sonst kaufst du doppelt.

Verlustverrechnungstopf: Der häufigste Fallstrick

Wenn du bei deinem alten Broker einen Verlustverrechnungstopf hast (also Buchverluste aus realisierten Verkäufen), wird dieser beim Depot-Übertrag standardmäßig nicht mitgenommen. Der Verlust bleibt beim alten Broker und verfällt, wenn das Depot geschlossen wird.

Lösung: Bis zum 15. Dezember eine "Verlustbescheinigung" beim alten Broker beantragen. Diese Bescheinigung nimmst du in die Steuererklärung (Anlage KAP) und kannst den Verlust mit Gewinnen anderer Depots verrechnen. Das ist wichtig — nicht vergessen!

Kosten des Depot-Übertrags

Der aufnehmende Broker (das neue Depot) übernimmt in der Regel alle Übertragungskosten — er will dich als Kunden. Der abgebende Broker (das alte Depot) kann eine Gebühr verlangen: typischerweise 20–50 € oder eine Provision pro Position (z. B. 10 € pro ETF). Das lohnt sich trotzdem fast immer, wenn die laufenden Ersparnisse groß genug sind.

Tipp: Viele aufnehmende Broker erstatten dir die Wechselgebühr des alten Brokers — frag einfach an oder check die Aktion-Seiten des Brokers (z. B. Scalable Capital "Wechselbonus").

Wann lohnt sich der Wechsel nicht?

  • Sehr kleines Depot (unter 1.000 €): Übertragungsgebühren können den Nutzen überwiegen
  • Wenn nur wenige Monate bis zum Entsparen geplant sind
  • Wenn der alte Broker besondere Konditionen bietet, die der neue nicht repliziert (z. B. Zinskonten-Integration)

Mehr zur Kosten-Analyse: Depot-Kosten sparen beim Broker-Wechsel. Welcher Broker für den nächsten Schritt? Robo-Advisor Vergleich mit allen Konditionen.