30.000 Euro auf dem Konto. Vielleicht Erbschaft, Bonus, Verkauf eines Autos oder jahrelanges Sparen. Die Frage ist dieselbe: Was jetzt? Tagesgeld fühlt sich sicher an, bringt aber nach Inflation kaum etwas. Aktien fühlen sich riskant an, sind aber langfristig kaum zu schlagen. Der richtige Plan liegt zwischen diesen Extremen — und er hängt von einem entscheidenden Faktor ab: Wann brauchst du das Geld?
Schritt 1: Verwendungszweck klären
Bevor auch nur ein Euro investiert wird: Wird ein Teil des Geldes in den nächsten 3–5 Jahren gebraucht? Für Eigenkapital, Renovierung, Ausbildung? Falls ja, muss dieser Teil außen vor bleiben — in Festgeld oder Tagesgeld, nicht in ETFs. Denn ETFs können kurzfristig 30–40 % fallen, und wer dann zwingend verkaufen muss, macht Verluste.
Die 30.000 € aufteilen:
- Notgroschen (bereits vorhanden?): 3–6 Monatsgehälter auf Tagesgeld — das ist nicht Teil der Anlage
- Kurzfristig benötigt (< 3 Jahre): Festgeld oder Tagesgeld mit aktuell ~2–3 % Zinsen
- Mittelfristig (3–7 Jahre): Mix aus ETFs (60–70 %) und Anleihen/Festgeld (30–40 %)
- Langfristig (> 7 Jahre): Vollständig in ETFs investierbar
Schritt 2: Einmalanlage oder gestaffelter Einstieg?
Die berühmte Frage: Alles auf einmal rein oder über Monate verteilt? Die Wissenschaft ist eindeutig: Sofortige Einmalanlage schlägt statistisch ein gestaffeltes Einzahlen in 2 von 3 Fällen — weil das Kapital länger investiert ist. Wer aber psychologisch nicht schlafen kann, wenn direkt nach der Einzahlung ein Crash kommt, für den macht ein gestaffelter Einstieg über 6–12 Monate Sinn.
Praktischer Kompromiss für 30.000 €:
- 20.000 € sofort anlegen (Einmalanlage)
- 10.000 € über 10 Monate verteilt (1.000 € pro Monat)
Das gibt psychologische Sicherheit, ohne zu viel Rendite zu opfern.
Schritt 3: Welche ETFs konkret?
| Ziel | ETF | Anteil | Begründung |
|---|---|---|---|
| Weltweite Streuung | iShares MSCI World Acc (IE00B4L5Y983) | 70 % | Breite Diversifikation, 23 Industrieländer, kostengünstig |
| Emerging Markets | iShares MSCI EM IMI Acc (IE00BKM4GZ66) | 20 % | Wachstumsmärkte als Ergänzung |
| Stabilisierung | Xtrackers EUR Government Bond (LU0290356897) | 10 % | Puffer bei Aktienrückgängen |
Oder einfacher: Einen FTSE All World ETF (VWCE) für die vollen 30.000 € — das deckt Industrieländer und Emerging Markets bereits ab. Weniger Entscheidungsaufwand, kaum Renditeunterschied.
Welcher Broker für 30.000 €?
Bei dieser Summe lohnt es sich, Brokerkosten genauer zu vergleichen. Konkret:
- Trade Republic: Kauf für 1 € pro Order — bei Einmalanlage optimal günstig. Sparplan kostenfrei.
- Scalable Capital: Free Broker (keine Gebühren bei Scalable-ETFs) oder Prime+ für unbegrenzte Orders
- DKB / ING: Günstig, etabliert, mit Giro-Konto verknüpfbar — gut für die Kombination Tagesgeld + ETF
- Comdirect: Aktionsbestand-ETFs ohne Ordergebühr, sonst 12,90 € + 0,25 % — bei 30.000 € Einmalanlage relevant
Bei 30.000 € Einmalanlage: Trade Republic oder Scalable (Free) für die ETF-Einmalanlage. Tagesgeld-Anteil bei DKB oder ING — beides im selben Konto.
Steuer und Freibetrag
Mit 30.000 € in ETFs bei 7 % Rendite hast du im Jahr ~2.100 € Kursgewinn (auf dem Papier, noch nicht realisiert). Wird ein Teil verkauft: Abgeltungssteuer (26,375 %) auf realisierte Gewinne. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € deckt den ersten Teil ab.
Bei Ausschüttungen: Wenn du den ausschüttenden VWRL statt VWCE wählst, bekommst du jährlich Dividenden — ca. 1,5–2 % der Anlagesumme, also ~450–600 € auf 30.000 €. Diese sind mit dem Freistellungsauftrag oft komplett steuerfrei.
Was du vermeiden solltest
- Nicht alles in Festgeld: Inflationssicher ist das nicht langfristig
- Nicht auf einzelne Aktien setzen: 30.000 € in 3 Aktien ist kein Portfolio
- Nicht auf "den richtigen Einstiegszeitpunkt" warten: Den gibt es nicht
- Nicht ohne Notgroschen investieren: Der Notgroschen muss zuerst stehen
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