Wenn dein ETF-Depot im Minus ist, klingt das erstmal schlecht. Aber realisierte Verluste haben einen steuerlichen Vorteil: Sie können mit Gewinnen verrechnet werden und reduzieren so deine Steuerlast. Das nennt sich Verlustverrechnung.

Wie funktioniert die Verlustverrechnung?

Dein Broker führt automatisch einen "Verlusttopf" — ein internes Konto das realisierte Verluste aufzeichnet. Wenn du später Gewinne realisierst (ETF verkaufen mit Gewinn, Dividenden erhalten), werden diese Gewinne zuerst mit dem Verlusttopf verrechnet — bevor Abgeltungssteuer anfällt.

Beispiel: Verlustverrechnung in der Praxis

SituationOhne VerlustverrechnungMit Verlustverrechnung
ETF A verkauft mit +2.000 € Gewinn527,50 € Steuer (26,375 %)
ETF B verkauft mit -800 € Verlustkein Einfluss-800 € im Verlusttopf
Netto versteuert2.000 €1.200 € (2.000 - 800)
Steuer527,50 €316,50 €
Steuerersparnis211 €
ETF Verluste steuerlich nutzen 2026: Verlustverrechnung erklärt

Wichtige Regeln zur Verlustverrechnung

  • Aktien-Verluste nur mit Aktien-Gewinnen: Verluste aus Aktien können NUR mit Aktien-Gewinnen verrechnet werden — nicht mit ETF-Gewinnen oder Zinsen. Diese "Sonderregel" gilt seit 2021.
  • ETF-Verluste können mit ETF-Gewinnen und Zinsen verrechnet werden: ETFs gelten steuerlich als Fonds, nicht als Aktien — also freier verrechenbar.
  • Jahresendgültigkeit: Nicht genutzte Verluste werden ins nächste Jahr vorgetragen — sie verfallen nicht.
  • Verschiedene Broker: Verluste bei Broker A werden NICHT automatisch mit Gewinnen bei Broker B verrechnet. Du musst eine Verlustbescheinigung von Broker A anfordern und in der Steuererklärung angeben.

Tax-Loss-Harvesting: Verluste bewusst realisieren

Manche Anleger verkaufen absichtlich ETFs im Minus gegen Jahresende um Verluste zu realisieren — und kaufen dann sofort einen ähnlichen (aber nicht identischen) ETF zurück. Damit nutzen sie den steuerlichen Verlustvorteil ohne die Portfolio-Strategie zu ändern. Wichtig: "Wash-Sale" Regeln wie in den USA gibt es in Deutschland nicht — ein sofortiger Rückkauf ist erlaubt.

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