Bis zu 1.000 € Kapitalerträge pro Jahr (2.000 € bei Ehepaaren) sind in Deutschland steuerfrei — dank Sparerpauschbetrag. Damit dieser Freibetrag auch bei deinem Robo-Advisor oder Broker wirkt, musst du einen Freistellungsauftrag einrichten. Was simpel klingt, hat ein paar Fallstricke — besonders wenn du mehrere Depots hast.

Was ist ein Freistellungsauftrag?

Ein Freistellungsauftrag (FSA) ist eine Weisung an deine Bank oder deinen Broker, bis zu einem bestimmten Betrag keine Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge einzubehalten. Du teilst dem Broker mit: "Behalte bis X Euro keine Steuer ein." Der Betrag läuft auf deinen Sparerpauschbetrag an. Gesamtmaximum: 1.000 € pro Person, 2.000 € bei zusammenveranlagten Ehepaaren.

Wie richtet man ihn ein?

Frau richtet Freistellungsauftrag in Finanz-App ein

Bei allen deutschen Robo-Advisorn und Brokern geht das online — entweder beim Onboarding oder jederzeit in den Kontoeinstellungen. Du benötigst:

1. Deine Steuer-ID (11-stellige Identifikationsnummer, auf jedem Steuerbescheid) — ohne diese kann kein FSA eingerichtet werden. 2. Den Betrag, den du freistellen möchtest (maximal 1.000 €, oder Teilbetrag wenn du mehrere Depots hast). 3. Bestätigung (meist digitale Unterschrift oder TAN).

Bei quirion, Ginmon, Scalable Capital und anderen deutschen Robo-Advisorn findest du die FSA-Einstellung im Bereich "Steuern" oder "Einstellungen" im Kundenkonto. Bei Trade Republic und Scalable Capital auch direkt in der App.

Optimale Verteilung bei mehreren Depots

DepotJährliche Erträge (geschätzt)FSA-Empfehlung
Robo-Advisor (Hauptdepot)600 €600 €
ETF-Sparplan (Neobroker)300 €300 €
Tagesgeld/Festgeld100 €100 €
Gesamt1.000 €1.000 €

Verteile den FSA anteilig nach den erwarteten Erträgen. Eine gängige Faustregel: Schätze, wie viele Erträge (Dividenden, Vorabpauschale, realisierte Gewinne) pro Depot im Jahr anfallen. Verteile den FSA proportional dazu. Perfekte Verteilung ist unmöglich — aber eine grobe Schätzung verhindert, dass du an einem Depot zu viel versteuert und am anderen Geld verschenkst.

Wichtig: Die Summe aller FSAs darf 1.000 € (Singles) bzw. 2.000 € (zusammenveranlagte Ehepaare) nicht überschreiten. Mehr zur Optimierung: Freistellungsauftrag optimal aufteilen.

FSA erhöhen oder ändern

Du kannst deinen FSA jederzeit ändern — online, ohne Frist (außer: bestehende FSAs für das laufende Jahr wirken rückwirkend, erst ab dem Änderungsdatum). Erhöhung: Wenn sich dein Depot vergrößert hat und die Erträge gestiegen sind, lohnt sich eine Anpassung jedes Jahr zu Jahresbeginn. Verringerung: Wenn du ein Depot schließt oder überträgst, müssen die FSAs entsprechend angepasst werden.

Verheiratete Anleger: Doppelter Freibetrag

Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können einen gemeinsamen FSA von 2.000 € einrichten — oder je 1.000 € separat auf ihre Konten verteilen. Zusammenveranlagung in der Steuererklärung ermöglicht es dem Finanzamt, nicht ausgeschöpfte Freibeträge des Partners zu nutzen. Depot-Steuern als Ehepaar optimieren.

Was passiert ohne FSA?

Ohne FSA behält dein Broker die Abgeltungssteuer auf alle Erträge ab dem ersten Euro ein. Du verlierst den Steuervorteil von bis zu 263,75 € pro Jahr (1.000 € × 26,375 %). Über 20 Jahre sind das bis zu 5.275 € an unnötig gezahlten Steuern — die du auch hättest anlegen können. Richte deinen FSA deshalb spätestens beim Eröffnen eines neuen Depots ein. Und vergiss das auf das nächste Depot: Freistellungsauftrag für ETFs — der vollständige Guide.