Du öffnest deine Depot-App. Dein ETF ist 18 % im Minus. Der erste Impuls: Verkaufen, bevor es noch schlimmer wird. Das ist der teuerste Fehler, den Anleger machen. Die Daten sind eindeutig: Wer im Crash verkauft, realisiert den Verlust und verpasst die Erholung. Hier ist, was du stattdessen tun solltest.
Erstmal: Nichts tun ist eine Entscheidung
Halten ist eine aktive Entscheidung — keine Passivität. Wenn du entscheidest, nicht zu verkaufen, entscheidest du rational, langfristig zu denken. Das ist schwer. Aber die Zahlen unterstützen dich: Nach jedem der großen Börsencrashs der letzten 50 Jahre hat sich der MSCI World vollständig erholt und neue Allzeithochs erreicht:
| Crash | Max. Drawdown | Erholungszeit | 5 Jahre später |
|---|---|---|---|
| Dotcom 2000–2002 | −49 % | ca. 5 Jahre | +35 % |
| Finanzkrise 2008–2009 | −55 % | ca. 4 Jahre | +80 % |
| Corona 2020 | −35 % | ca. 6 Monate | +100 % |
| Zinsschock 2022 | −25 % | ca. 18 Monate | +45 % |
Wer in jedem dieser Crashes gehalten hat, ist heute im Plus. Wer verkauft hat, sitzt auf realisierten Verlusten.
Was du NICHT tun solltest
Verkaufen aus Panik: Der Worst Case. Du realisierst den Verlust, bist dann nicht mehr investiert, verpasst die ersten 10–15 % der Erholung (die kommen meistens sehr schnell und unerwartet), und steigst dann zu einem höheren Preis wieder ein. Statistisch gesehen: Panikverkäufer schneiden langfristig am schlechtesten ab.
Sparplan pausieren: Kursrückgänge sind ein Geschenk für ETF-Sparplan-Anleger — du kaufst jetzt günstigere Anteile. Wer den Sparplan in einem Crash pausiert, verpasst genau die günstigen Einstiegskurse. Sparplan im Crash: Weiterlaufen lassen oder aussetzen?
Auf "Erholung" warten bevor man wieder einsteigt: Market Timing funktioniert statistisch nicht. Wer versucht, den "richtigen Moment" zu erwischen, investiert meistens zu spät und verpasst den größten Teil der Erholung.
Was du tun KANNST
Nachkaufen (wenn Geld vorhanden): Wenn du Liquidität hast (Notgroschen ist vollständig, kein kurzfristiger Bedarf), ist ein Crash ein günstiger Zeitpunkt für eine Einmalanlage. Nicht alles auf einmal — aber 30–50 % der verfügbaren Mittel in 2–3 Tranchen während des Einbruchs ist für langfristige Anleger oft rentabel.
Rebalancing prüfen: Hat der Crash deine Allokation verschoben? Wenn Aktien jetzt stärker gefallen sind als Anleihen, hat dein Portfolio möglicherweise einen zu hohen Anleihenanteil. Ein Rebalancing bedeutet, Anleihen zu verkaufen und Aktien nachzukaufen — du kaufst automatisch günstiger. Mehr: Wann Rebalancing sinnvoll ist.
Strategie überprüfen: Wenn du bei einem 20-%-Rückgang nicht schlafen kannst, war dein Risikoprofil möglicherweise falsch eingestellt. Nicht jetzt korrigieren — erst wenn der Markt sich erholt hat. Dann Portfolio auf eine defensivere Allokation umstellen.
Wann Handeln wirklich nötig ist
Du brauchst das Geld konkret in den nächsten 1–2 Jahren. Dann war das Investment ein Fehler von Anfang an — und du musst entscheiden, ob du einen Verlust realisierst oder wartest. Für alle anderen Szenarien gilt: Halten, Sparplan weiterlaufen lassen, wenn möglich nachkaufen. Unser Anlegerprofil-Quiz hilft dir, das richtige Risikoprofil für zukünftige Investments zu finden.