Der Grund für den Notgroschen ist eine Krise aus dem Jahr 2020
Corona, März 2020. Jobverlust. Gleichzeitig im ETF-Portfolio: minus 30 Prozent. Wer keinen Notgroschen hatte, musste genau dann verkaufen — zum tiefsten Punkt. Wer drei Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto hatte, konnte einfach warten. Das Portfolio hat sich erholt. Der Verkauf wäre ein dauerhafter Verlust gewesen.
Das ist der einzige Grund für den Notgroschen. Kein kompliziertes Konzept. Keine Theorie. Nur diese eine Situation: Du brauchst Geld, der Markt liegt unten, du hast keine Wahl. Außer du hast vorgesorgt.
Ein Notgroschen ist Geld, das du jederzeit abrufen kannst — ohne Verluste, ohne Wartezeit. Tagesgeldkonto. Fertig. Nicht in ETFs, nicht in Festgeld mit Bindung, nicht unter der Matratze.
Warum 3 Monatsgehälter? (Manche sagen 6)
Die verbreitete Faustregel lautet: 3 Netto-Monatsgehälter als Notgroschen zurücklegen. Das reicht in den meisten Fällen, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken — von einer größeren Reparatur bis hin zu einem kurzen Jobverlust.
Manche Finanzexperten empfehlen 6 Monatsgehälter, besonders wenn:
- Du selbstständig oder freiberuflich tätig bist (kein Kündigungsschutz, kein Arbeitslosengeld in voller Höhe)
- Du Kinder oder andere Personen finanziell absicherst
- Du in einer Branche arbeitest, in der neue Jobs schwer zu finden sind
- Du gesundheitliche Risiken hast oder chronisch krank bist
Für Angestellte in einem sicheren Job ohne große Verpflichtungen sind 3 Monatsgehälter ein solider Startpunkt. Der konkrete Betrag hängt von deinen persönlichen monatlichen Ausgaben ab — nicht unbedingt vom Einkommen.
Beispielrechnung
| Monatliche Ausgaben | Notgroschen (3 Monate) | Notgroschen (6 Monate) |
|---|---|---|
| 1.500 Euro | 4.500 Euro | 9.000 Euro |
| 2.000 Euro | 6.000 Euro | 12.000 Euro |
| 2.500 Euro | 7.500 Euro | 15.000 Euro |
| 3.000 Euro | 9.000 Euro | 18.000 Euro |
Wo parkierst du den Notgroschen?
Der Notgroschen muss jederzeit verfügbar sein — ohne Verlustrisiko und ohne Kündigungsfristen. Das schließt ETFs, Aktien und längere Festgeldlaufzeiten aus. Die richtige Heimat ist das Tagesgeldkonto.
Vorteile eines Tagesgeldkontos für den Notgroschen:
- Täglich verfügbar, keine Kündigungsfrist
- Einlagengesicherung bis 100.000 Euro (EU-weit)
- Aktuell 2026 noch attraktive Zinsen bei vielen Anbietern (je nach EZB-Politik)
- Kein Kursrisiko — 10.000 Euro bleiben 10.000 Euro
Empfehlenswerte Tagesgeldkonten 2026 bieten unter anderem Trade Republic, ING, DKB und zahlreiche europäische Direktbanken an. Vergleiche lohnen sich — die Zinsdifferenz kann mehrere hundert Euro pro Jahr ausmachen.
Weniger geeignet sind: Girokonto (oft kein oder minimalster Zins), Sparbuch (Kündigungsfrist 3 Monate für Beträge über 2.000 Euro), Festgeld (nicht täglich verfügbar) und natürlich Wertpapiere jeglicher Art.
Der häufigste Fehler: Alles in ETFs, dann kommt der Crash
Stell dir folgendes Szenario vor: Du investierst dein gesamtes Erspartes in einen MSCI-World-ETF. Ein Jahr später bricht der Markt um 40% ein — und gleichzeitig verlierst du deinen Job. Du brauchst Geld, um die Miete zu zahlen. Was machst du?
Du wirst gezwungen, ETF-Anteile zu verkaufen — genau dann, wenn die Kurse unten sind. Das ist das Worst-Case-Szenario des Privatanlegers: ein erzwungener Verkauf im Tief. Aus einem theoretischen Buchverlust wird ein realer, dauerhafter Verlust.
Dieses Szenario ist keine Seltenheit. In der Corona-Krise 2020 verloren viele Anleger nervös die Geduld und verkauften im März — kurz vor der kräftigen Erholung. Wer einen soliden Notgroschen hatte, konnte ruhig schlafen und abwarten.
Der Notgroschen ist kein "totes Kapital" — er ist der Schutzwall, der dein investiertes Geld vor frühzeitigem Verkauf schützt.
Die richtige Reihenfolge beim Vermögensaufbau
Finanzexperten sind sich bei wenigen Punkten so einig wie bei dieser Priorisierung:
- Notgroschen aufbauen: 3–6 Nettomonatsgehälter auf Tagesgeld. Erst wenn dieser Puffer steht, geht es weiter.
- Hochzinsige Schulden tilgen: Dispokredit, Ratenkredite über 5–6% Zinsen — diese tilgst du vor dem Investieren. Eine garantierte "Rendite" in Höhe der Zinssparnis ist schwer zu schlagen.
- Staatliche Förderung nutzen: Riester (wenn förderungsberechtigt), betriebliche Altersvorsorge mit Arbeitgeberzuschuss — diese "Renditen" durch Zulagen und Steuervorteile sind oft unschlagbar.
- Breit diversifiziert investieren: Erst jetzt kommt der ETF-Sparplan oder Robo-Advisor ins Spiel. Mit einem klaren Zeithorizont und regelmäßigen Beiträgen.
Viele Einsteiger springen direkt zu Schritt 4 — und bereuen es, wenn in Schritt 1 oder 2 Probleme auftauchen.
Wie lange dauert der Aufbau des Notgroschens?
Das hängt von deiner Sparrate ab. Wer monatlich 300 Euro beiseitelegen kann, hat in 20–25 Monaten einen Notgroschen von 6.000 Euro aufgebaut. Wer 500 Euro monatlich spart, erreicht 6.000 Euro in 12 Monaten.
Ein guter Plan: Sobald der Notgroschen vollständig aufgebaut ist, wird die Sparrate automatisch auf einen ETF-Sparplan oder Robo-Advisor umgeleitet. Der Übergang ist fließend — und das Fundament solide.
Fazit: Erst Sicherheit, dann Rendite
Der Notgroschen ist keine spannende Investmentstrategie — aber er ist die Grundlage für alles, was danach kommt. Wer ohne ihn investiert, setzt sein Portfolio einem unnötigen Risiko aus: nicht dem Marktrisiko, sondern dem persönlichen Liquiditätsrisiko.
Baue zuerst deine Reserve auf. Dann erst den Sparplan. In dieser Reihenfolge funktioniert Vermögensaufbau langfristig und stressfrei. Sobald der Notgroschen steht: ETF-Sparplan starten oder direkt einen Robo-Advisor wählen.