Bis zu 480 Euro pro Jahr vom Arbeitgeber, zusätzlich staatliche Sparzulage — und das automatisch in einen ETF-Sparplan fließen lassen. Vermögenswirksame Leistungen (VL) sind eines der am meisten unterschätzten Werkzeuge für den Vermögensaufbau in Deutschland. Trotzdem nutzen viele Arbeitnehmer den Anspruch nicht.

Was sind Vermögenswirksame Leistungen (VL)?

VL sind ein Teil des Gehalts, den dein Arbeitgeber direkt in einen Sparvertrag einzahlt. Du kannst den Betrag aus deinem Nettolohn aufstocken. Die staatliche Arbeitnehmer-Sparzulage (ANSpZ) gibt es on top — wenn dein Einkommen unter der Grenze liegt.

ParameterDetails
Arbeitgeber-AnteilJe nach Tarif/Vertrag, max. 40 € / Monat
Eigener AnteilAufstockung möglich bis 40 € / Monat
Staatliche Sparzulage (Fonds)20 % auf 400 € / Jahr = 80 € jährlich
Einkommensgrenze Sparzulage40.000 € (ledig) / 80.000 € (verheiratet) zu versteuerndes Einkommen
Bindungsfrist6 Jahre Anlage + 1 Jahr Ruhen = 7 Jahre gesamt

VL in ETFs — so funktioniert es

Früher landeten VL meist in Bausparverträgen oder wenig rentablen Fondspolicen. Heute bieten mehrere Broker VL-fähige ETF-Depots an. Das bedeutet: Dein Arbeitgeber überweist seinen Anteil direkt in einen ETF-Sparplan — ohne Ausgabeaufschlag, ohne hohe Verwaltungsgebühren.

VL-fähige Broker (Stand 2026):

  • Flatex: Breite ETF-Auswahl, etablierter VL-Anbieter
  • Comdirect: Große Fondsauswahl, etwas höhere Kosten
  • DKB: Günstiger Broker, VL-Depot verfügbar
  • Scalable Capital: Auch als Robo-Advisor-VL-Depot möglich

Welcher ETF eignet sich für VL-Sparen?

Grundsatz: VL ist Langzeit-Pflichtsparen über 7 Jahre — also ideal für einen breit diversifizierten Aktien-ETF.

  • MSCI World (physisch replizierend): Klassische Wahl, 1.500+ Unternehmen, hohe Liquidität
  • FTSE All-World: Breiter als MSCI World, inkl. Schwellenländer
  • MSCI World ESG: Nachhaltige Variante für ethisch bewusste Sparer

Lohnt sich VL-Sparen wirklich?

Konkretrechenbeispiel: Arbeitgeber zahlt 26,59 € / Monat (tariflicher Durchschnitt). Du stockst auf 40 € auf (Eigenanteil 13,41 €). State Sparzulage: 80 € / Jahr (sofern berechtigt).

Nach 7 Jahren bei 7 % ETF-Rendite: Gesamteinzahlung ca. 3.360 € (ohne Sparzulage) → Endkapital ca. 4.100 €. Dein effektiver Eigenanteil: ca. 1.125 €. Rendite auf deinen Eigenanteil: fast 265 %. Das schlägt jedes Tagesgeld.

Hast du bereits einen Robo-Advisor? Prüfe ob dein Anbieter VL-Sparpläne unterstützt — im Vergleich findest du alle Details.

VL und Robo-Advisor kombinieren

Scalable Capital bietet ein VL-fähiges Robo-Advisor-Depot an — das heißt: dein Arbeitgeber überweist den VL-Betrag direkt in ein automatisch verwaltetes ETF-Portfolio. Das ist die eleganteste Kombination: Arbeitgeber-Geld + staatliche Förderung + automatisches Rebalancing, ohne dass du selbst ETFs aussuchen musst.

Prüfe vor der Anmeldung: Nicht alle Robo-Advisor sind VL-zertifiziert. Die meisten verwalten das Geld nach VL-Eingang genauso wie reguläres Depot-Kapital. Wichtig ist, dass der Broker eine VL-Kontonummer (Vermögensbildungskonto-Nummer) ausstellen kann — die du dann deinem Arbeitgeber mitteilst.

Was wenn dein Arbeitgeber keine VL zahlt?

Nicht alle Arbeitgeber sind tarifgebunden oder zahlen freiwillig VL. In diesem Fall kannst du trotzdem ein VL-Depot eröffnen und es selbst besparen — mit eigenem Geld. Den staatlichen Zuschuss (80 € / Jahr) bekommst du dann trotzdem, sofern du die Einkommensgrenze unterschreitest. Der Unterschied: Du verzichtest auf den Arbeitgeber-Anteil, profitierst aber weiterhin von der staatlichen Sparzulage und der 7-jährigen Disziplin.

Alternativ: Starte einen regulären ETF-Sparplan ohne VL-Bindung — flexibler, kein Ruhejahr, aber auch kein Förderbonus.