Du hast 20 oder 30 Jahre eingezahlt — jetzt fließt Geld in die andere Richtung. Dieser Übergang vom Anspar- in den Entnahme-Modus ist der unterschätzteste Teil der ETF-Reise. Die meisten Guides enden beim "investieren und liegen lassen". Wie das Ende konkret aussieht, erklärt dieser Artikel.

Wann sollte der Sparplan gestoppt werden?

Der ETF-Sparplan muss nicht gestoppt werden, wenn du in Rente gehst. Solange deine gesetzliche Rente und andere Einnahmen ausreichen, kannst du ruhig weiter einzahlen — das Depot wächst dann weiter für deine Erben oder spätere Phasen.

Gründe, den Sparplan zu stoppen oder zu reduzieren:

  • Kein Überschuss mehr nach Lebenshaltungskosten (Einkommen ≈ Ausgaben)
  • Du willst jetzt Kapital entsparen statt aufbauen
  • Der Anlagehorizont verkürzt sich — mehr Sicherheit gewünscht

Das Puffermodell: Wie du entsparst ohne Crash-Risiko

Die gefährlichste Phase für einen ETF-Anleger ist der Beginn der Entnahmephase. Ein Crash kurz nach Rentenbeginn (Sequence-of-Returns-Risiko) kann das gesamte Entsparkonzept gefährden. Lösung: Das Puffermodell.

TopfWas drin istVerwendungDauer
CashpufferTagesgeld, 1–2 Jahre AusgabenMonatliche Entnahme, kein Depotverkauf nötig1–2 Jahre
SicherheitspufferAnleihen-ETF oder Festgeld, 3–5 JahreNachfüllen des Cashpuffers, wenn Aktien im Minus3–5 Jahre
WachstumsdepotAktien-ETF (60–80 % des Depots)Langfristiges Wachstum, Entnahme nur bei positivem Markt10+ Jahre
ETF Ruhestand Entnahme — Sparplan aussetzen und Depot entsparen 2026

Das Puffermodell funktioniert so: Du entnimmst monatlich aus dem Cashpuffer. Wenn der Aktienmarkt steigt, verkaufst du ETF-Anteile und füllst den Cash-Puffer auf. Wenn der Aktienmarkt fällt, lebst du vom Cashpuffer (oder vom Anleihen-Puffer) — und lässt die Aktien erholen.

Konkrete Entnahme-Berechnung

4%-Regel (Trinity Study): Du kannst jährlich 4 % deines Depots entnehmen und das Kapital statistisch 30+ Jahre erhalten. Bei 300.000 € Depot: 12.000 €/Jahr = 1.000 €/Monat.

Aber: 4 % ist die nominale Entnahme — vor Steuern. Nach Abgeltungssteuer (26,375 % auf Gewinnanteile) bleibt weniger. Und: 4 % galt für US-Daten — für Europa gibt es konservativere Empfehlungen (3–3,5 %).

Steuer bei der Entnahme: Was fällig wird

  • Beim Verkauf von ETF-Anteilen: Abgeltungssteuer (26,375 %) auf den realisierten Gewinn (Verkaufspreis − Einstandspreis)
  • Freistellungsauftrag: 1.000 € p.a. steuerfrei — unbedingt nutzen
  • Teilfreistellung: 30 % des Gewinns aus Aktien-ETFs sind steuerfrei (bei physisch-replizierenden ETFs). Das senkt die effektive Steuerlast auf ~18,5 %
  • FIFO: First-in-first-out — die zuerst gekauften Anteile gelten als zuerst verkauft (meist mit mehr Gewinn)

Wann Sparplan weiterführen — wann stoppen

  • Weiterführen: Wenn du regelmäßige Überschüsse hast und das Geld für Erben oder deutlich spätere Phase gedacht ist. Das Depot wächst weiter.
  • Stoppen und ausschließlich entnehmen: Wenn das Depot die Haupteinnahmequelle ist und du maximale Entnahme brauchst. Kein Sinn, gleichzeitig einzuzahlen und zu entnehmen (außer steuerliche Optimierung).
  • Reduzieren: Wenn du noch etwas Puffer hast und das Depot für die späten Jahre weiter wachsen soll — aber weniger Bedarf an Einzahlung.

Für die detaillierte Entnahme-Rechnung: Renditerechner mit Entnahmefunktion. Oder zum Artikel ETF Entnahmeplan im Detail.