100.000 Euro. Eine Summe, bei der Fehler wirklich teuer werden. Gleichzeitig öffnen sich bei dieser Größe Optionen, die vorher nicht sinnvoll waren: Depot-Splitting, steuerliche Jahresoptimierung, professionelle Verwaltung. Dieser Guide zeigt, was jetzt wirklich zählt — und was nur so aussieht.
Schritt 1: Liquidität und Absicherung
Bevor auch nur ein Cent der 100.000 € investiert wird:
- Notgroschen: 6 Monatsgehälter auf Tagesgeld. Bei 3.000 € Netto: 18.000 €. Dieser Betrag gehört nicht zu den 100.000 € — er ist unantastbar.
- Versicherungen prüfen: Berufsunfähigkeitsversicherung, Haftpflicht, private Krankenversicherung (falls sinnvoll) — diese absichern das, was das Depot aufgebaut hat.
- Geplante Ausgaben: Alles, was in < 5 Jahren gebraucht wird, gehört nicht in Aktien. Eigenkapital für Immobilie? Fest in Festgeld oder Anleihen parken.
Schritt 2: Portfolio-Aufbau nach Horizont
| Zeithorizont | Aufteilung der 100.000 € | Produkte |
|---|---|---|
| Unter 3 Jahre | Dieser Teil = Festgeld/Tagesgeld | 2–3 % p.a. |
| 3–7 Jahre | 60 % ETF + 40 % Anleihen/Geldmarkt | ~5–6 % p.a. erwartet |
| Über 7 Jahre | 90–100 % ETF | ~7–9 % p.a. historisch |
Schritt 3: Depot-Struktur für 100.000 €
Bei dieser Summe ist Depot-Splitting sinnvoll — aus steuerlichen und praktischen Gründen:
- Depot 1 (Hauptdepot, ~70–80 %): Langfristiges ETF-Portfolio. Thesaurierende ETFs. Bei günstigen Brokern (Trade Republic, Scalable).
- Depot 2 (Ehepartner, ~20–30 %): Zusätzlicher Sparerpauschbetrag (2 × 1.000 €). Reduziert Steuerlast auf Kapitalerträge.
- Liquiditätsdepot (10 %): Geldmarktfonds-ETF oder Festgeld. Für mittelfristige Reserve ohne Tagesgeld-Konto-Hopping.
Einmalanlage oder gestaffelt?
Bei 100.000 € ist die psychologische Barriere erheblich. Wissenschaftlich ist die Einmalanlage in ~68 % der Fälle besser. Pragmatisch empfehle ich:
- 50.000 € sofort anlegen
- 50.000 € über 12 Monate verteilt (ca. 4.200 € pro Monat)
Das ist ein Kompromiss, der weder reine Rendite noch reine Sicherheit maximiert — aber psychologisch nachhaltig ist. Wer mit -30 % nicht schlafen kann, sollte nicht alles auf einmal rein.
Welches Portfolio für 100.000 €?
Zwei bewährte Varianten:
Variante A — Maximum Simplicity:
- 100 % Vanguard FTSE All World Acc (VWCE) — ein ETF, fertig
- TER 0,22 %, globale Diversifikation, thesaurierend, kein Rebalancing nötig
Variante B — Optimiertes 3-ETF-Portfolio:
- 60 % iShares Core MSCI World Acc (IE00B4L5Y983) — TER 0,20 %
- 20 % iShares MSCI EM IMI Acc (IE00BKM4GZ66) — TER 0,18 %
- 20 % iShares MSCI World Small Cap Acc (IE00BF4RFH31) — TER 0,35 % (Size-Prämie)
Steuer bei 100.000 €: Was jetzt relevant wird
Bei 100.000 € ETF-Portfolio bei 7 % Rendite: ~7.000 € Buchgewinn im Jahr 1. Nach 10 Jahren bei 7 % liegt der Depotwert bei ~197.000 € — unrealisierter Buchgewinn von ~97.000 €. Beim Verkauf fallen Steuern an:
- Abgeltungssteuer 26,375 % auf realisierten Gewinn über Freibetrag (1.000 €)
- Thesaurierende ETFs zahlen jährlich kleine Vorabpauschale (2024: ~0,30 % des Wertes × Basiszins)
- Bei Entnahmephase: Sukzessiver Verkauf, um jährlich nur bis zu 1.000 € Gewinn steuerfrei zu realisieren — der Rest des Freibetrags kann für Vorabpauschale genutzt werden
Robo-Advisor für 100.000 €: Wann sinnvoll?
Bei 100.000 € kosten Robo-Advisor 350–750 € pro Jahr (0,35–0,75 %). Dafür bekommst du: wissenschaftliches Rebalancing, steueroptimiertes Trading (bei manchen), automatische Anleihenbeimischung, psychologische Disziplin. LIQID ist ab 100.000 € aktiv und bietet Zugang zu Alternativen (Private Equity ab 200.000 €).
Für selbstständig Investierende: Die Verwaltungsgebühr vermeidest du vollständig — musst dafür aber selbst jährlich rebalancen und im Crash bei der Strategie bleiben. Bei 100.000 € ist die Disziplin-Frage wichtiger als die Kostenfrage.
Unser Anlegerprofil-Quiz gibt eine auf dich zugeschnittene Empfehlung. Zum Robo-Advisor Vergleich mit allen Konditionen und Mindestanlagesummen.