Deutschland hat rund 80 Millionen Lebensversicherungsverträge — viele davon kapitalbildende Policen, die als Altersvorsorge gedacht waren. In einer Niedrigzinsphase von 2010 bis 2023 haben diese Policen kaum Rendite erwirtschaftet. Der Vergleich mit ETFs ist ernüchternd.

Der direkte Rendite-Vergleich

KriteriumKapitallebensversicherungETF-Sparplan
Historische Rendite1,5–3,5 % p.a. (netto)7–9 % p.a. (MSCI World, nominal)
Garantiezins0,25 % (Neuverträge 2024)keiner (Marktrisiko)
Abschlusskosten3–5 % der Beitragssumme0–1 € pro Order
Laufende Kosten1–2 % p.a. der Versicherungssumme0,1–0,3 % TER
Flexibilitätsehr gering (Strafkosten bei Kündigung)hoch (jederzeit verkaufbar)
Todesfallschutzja (Risikolebensversicherung inkl.)nein
Steuerliche Behandlung50 % steuerfrei (Policen ab 12J, ab 60)25 % Abgeltungssteuer auf Gewinne
Lebensversicherung vs. ETF: der Renditevergleich

Was kostet die Lebensversicherung wirklich?

Das Problem bei kapitalbildenden Policen ist die Kostenkombination: Abschlussprovisionen von oft 4 % der gesamten Beitragssumme (bei 300 €/Monat über 30 Jahre = 108.000 € Einzahlung, also 4.320 € Provision allein für den Abschluss), plus laufende Verwaltungskosten von 1–2 % jährlich. Diese Kosten fressen die Verzinsung fast komplett auf. Ein Vergleich: Bei 1,5 % Nettorendite über 30 Jahre mit 300 €/Monat kommen ca. 145.000 € heraus. Bei 7 % mit einem ETF-Sparplan: ca. 364.000 €. Differenz: über 200.000 €.

Der einzige echte Vorteil der LV: Steuer und Todesfallschutz

Kapitallebensversicherungen haben tatsächlich einen Steuervorteil: Bei Policen über 12 Jahre Laufzeit und Auszahlung ab 60 sind nur 50 % der Gewinne steuerpflichtig (Halbeinkünfteverfahren). Das kann attraktiv sein für Menschen mit hohem Einkommensteuersatz. Aber: Dieser Vorteil kompensiert die Kostennachteile in den meisten Szenarien nicht.

Der Todesfallschutz ist separierbar: Eine Risikolebensversicherung (ohne Kapitalaufbau) kostet nur 10–30 € pro Monat und bietet denselben Schutz für Hinterbliebene. Das ist sinnvoller als eine kapitalbildende Police zu überhöhten Kosten.

Bestehende Police: weiterzahlen, beitragsfrei stellen oder kündigen?

Weiterzahlen: Nur sinnvoll wenn du kurz vor Ende der 12-Jahres-Frist stehst und der Steuervorteil die Nachteile überwiegt.

Beitragsfrei stellen: Du zahlst nicht mehr, der Vertrag läuft bis Fälligkeit weiter. Das verhindert weitere Kosten — aber das bestehende Kapital ist weiterhin schlecht angelegt.

Kündigen und in ETF wechseln: Oft die mathematisch beste Option, besonders bei langer Restlaufzeit. Wichtig: Rückkaufswert (oft 20–30 % unter den eingezahlten Beiträgen in frühen Jahren), dann das Kapital in einen ETF-Sparplan umlenken. Bei noch langer Restlaufzeit kann der ETF-Sparplan den Verlust durch Kündigung aufholen.

Was zu beachten ist bei einem Depot-Wechsel: Depot übertragen: Anleitung. Vergleich aller Anlageformen: Robo-Advisor-Vergleich.

Fazit: Für Neuabschlüsse klare Empfehlung ETF

Wer heute neu entscheiden muss: Keine kapitalbildende Lebensversicherung mehr abschließen. Stattdessen: Risikolebensversicherung (für den Todesfallschutz) + ETF-Sparplan (für den Vermögensaufbau). Das ist günstiger, flexibler und deutlich renditestärker. Für bestehende Policen: Einzelfallrechnung machen — ETF-Rechner hilft dabei.