1.000 € pro Jahr — so viel Kapitalerträge bleiben seit 2023 für Einzelpersonen steuerfrei (2.000 € für Ehepaare). Wer seinen Freistellungsauftrag nicht richtig setzt, zahlt Kapitalertragsteuer, obwohl er es nicht müsste. Hier erfährst du, wie du das vermeidest.

Freistellungsauftrag ETF Sparerpauschbetrag optimieren

Was ist der Sparerpauschbetrag?

Der Sparerpauschbetrag (umgangssprachlich: Freibetrag) befreit Kapitalerträge bis zu 1.000 € pro Jahr von der Kapitalertragsteuer (25 % zzgl. Solidaritätszuschlag). Für zusammen veranlagte Ehepaare gilt das Doppelte: 2.000 €. Er gilt für alle Kapitalerträge zusammen — Dividenden, realisierte Kursgewinne, Zinsen.

Freistellungsauftrag bei mehreren Depots aufteilen

Wer mehrere Depots bei verschiedenen Anbietern hat, muss den Freistellungsauftrag aufteilen — er kann nicht automatisch "wandern". Jeder Broker braucht seinen eigenen Auftrag. Beispiel:

DepotFreistellungsauftragErwartete Erträge 2026Steuerpflichtig
Trade Republic (ETF-Sparplan)600 €ca. 600 €0 €
Scalable Capital (Robo)300 €ca. 250 €0 €
DKB (Tagesgeld + Festgeld)100 €ca. 100 €0 €
Gesamt1.000 €ca. 950 €0 €

Wichtig: Der Gesamtbetrag aller Freistellungsaufträge darf 1.000 € (Einzelperson) nicht übersteigen. Das Finanzamt prüft das. Wer mehrere Aufträge über 1.000 € stellt, handelt ordnungswidrig.

Typische Fehler beim Freistellungsauftrag

  • Kein Auftrag gestellt: Ohne Auftrag zieht der Broker sofort 25 % Steuer ab — auch wenn du unter dem Freibetrag liegst. Erstattung nur über die Steuererklärung.
  • Zu niedrig angesetzt: Wenn Erträge den Auftrag übersteigen, fällt sofort Steuer an. Besser etwas großzügiger schätzen.
  • Vergessen zu aktualisieren: Bei wachsendem Depot steigen die Erträge. Jährliche Überprüfung empfohlen.
  • Alten Broker vergessen: Wer den Broker wechselt, sollte den Freistellungsauftrag beim alten Broker auf 0 € setzen und beim neuen neu beantragen.

Freistellungsauftrag bei Robo-Advisorn

Auch bei Robo-Advisorn wie quirion oder Scalable Capital muss ein Freistellungsauftrag gestellt werden. Das geht einfach im Kundenportal oder während der Kontoeröffnung. Robo-Advisor übernehmen dann die Steuerabführung und -abrechnung automatisch — du brauchst die Kapitalerträge nicht separat in der Steuererklärung anzugeben, wenn der Freibetrag nicht überschritten wird.

Was passiert, wenn der Freibetrag überschritten wird?

Übersteigen deine Kapitalerträge 1.000 €, zieht der Broker automatisch 25 % Kapitalertragsteuer (+ 5,5 % Soli = 26,375 % gesamt) auf den übersteigenden Betrag ab. Du erhältst eine Jahressteuerbescheinigung. In der Steuererklärung (Anlage KAP) kannst du prüfen, ob sich eine Veranlagung lohnt — zum Beispiel wenn dein persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt (Günstigerprüfung).

Tipp: Verlustverrechnung kombinieren

Realisierte Verluste aus ETF-Verkäufen verrechnen sich mit Gewinnen und reduzieren die steuerpflichtigen Erträge. Ein Verlustverrechnungstopf wird automatisch vom Broker geführt. So kannst du gezielt Gewinne realisieren und Verluste gegenrechnen, um den Freibetrag optimal auszuschöpfen. Mehr zu steuerlichen Themen: Abgeltungssteuer bei Robo-Advisorn erklärt und ETF-Depot bei Auswanderung. Den günstigsten Anbieter mit automatischem Freistellungsauftrag findest du im Robo-Advisor Vergleich 2026.