Robo-Advisor werben gerne mit "günstigen Gebühren" — aber was genau steckt dahinter? Dieser Artikel erklärt alle Kostenarten verständlich und zeigt, wie du die echten Gesamtkosten eines Anbieters berechnest.
Die drei Kostenebenen eines Robo-Advisors
Grundsätzlich gibt es drei Ebenen, auf denen beim Robo-Advisor Kosten entstehen: die Verwaltungsgebühr des Anbieters, die Fondskosten der eingesetzten ETFs und etwaige Transaktionskosten. Wer nur die erste Zahl im Prospekt liest, zahlt möglicherweise mehr als erwartet.
1. Verwaltungsgebühr (Service Fee): Das ist die Hauptgebühr des Robo-Advisors selbst. Sie liegt je nach Anbieter zwischen 0 % (quirion bis 10.000 €) und 0,75 % p.a. (Scalable Capital, WeltSparen). Diese Gebühr wird auf das verwaltete Vermögen berechnet und monatlich oder quartalsweise abgezogen. Einige Anbieter staffeln die Gebühr — je mehr Geld du anlegst, desto günstiger wird es.
2. ETF-Kosten (TER — Total Expense Ratio): Jeder ETF hat interne Kosten, die nicht direkt sichtbar sind, sondern täglich aus dem Fondsvermögen entnommen werden. Die TER liegt bei günstigen ETFs (z. B. Vanguard, iShares Core) bei 0,07 % bis 0,20 % p.a. Teurere Nachhaltigkeits-ETFs können 0,30 % oder mehr kosten. Diese Kosten zahlst du indirekt — sie schmälern einfach die Rendite des Fonds.
3. Transaktionskosten: Beim Kauf und Verkauf von ETFs entstehen Spread-Kosten (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis). Diese sind bei großen, liquiden ETFs minimal (0,01–0,05 %), fallen aber beim Rebalancing und bei Zuzahlungen an. Die meisten Robo-Advisor geben keine separate Transaktionskostenquote an, da sie in der Fondsperformance aufgehen.
Was ist die echte Gesamtbelastung?
Die reale Gesamtbelastung (Total Cost of Ownership, TCO) ergibt sich aus: Verwaltungsgebühr + ETF-TER + anteilige Transaktionskosten. Bei einem typischen Anbieter mit 0,50 % Verwaltungsgebühr und 0,15 % ETF-TER liegt die Gesamtbelastung also bei ca. 0,65–0,70 % pro Jahr.
Zum Vergleich: Ein eigenständig geführtes ETF-Portfolio mit einem MSCI World ETF und einem Emerging Markets ETF bei einem kostenlosen Online-Broker kommt auf ca. 0,10–0,20 % Gesamtkosten. Der Mehraufwand beim Robo-Advisor beträgt also ca. 0,45–0,50 % p.a. — bei 50.000 € Anlage sind das ca. 225–250 € im Jahr.
Versteckte Kosten: Worauf du achten solltest
Manche Anbieter erheben Ausgabeaufschläge für aktiv gemanagte Fonds — das ist bei ETF-basierten Robo-Advisorn heute die Ausnahme, kommt aber noch vor. Auch Depotübertragsgebühren können anfallen, wenn du zu einem anderen Anbieter wechseln möchtest. Die meisten deutschen Robo-Advisor bieten jedoch kostenlose Überträge an. Prüfe außerdem, ob der Anbieter Kickbacks (Vertriebsprovisionen von ETF-Anbietern) erhält — diese werden seit MiFID II teilweise weitergegeben, erhöhen aber bei manchen Anbietern den Interessenkonflikt.
Die günstigsten Anbieter 2026 im Überblick
quirion ist derzeit der günstigste Anbieter: kostenlos bis 10.000 €, danach 0,48 % p.a. Gesamtkosten (inkl. ETF-TER ca. 0,58–0,65 %). Ginmon liegt bei ca. 0,75 % Gesamtbelastung, bietet dafür aber Tax-Loss-Harvesting. Scalable Capital berechnet 0,75 % Verwaltungsgebühr, womit die Gesamtbelastung auf 0,85–1,00 % steigt. Für kleinere Beträge (unter 10.000 €) ist quirion die klare Wahl — für größere Depots lohnt sich ein genauer Vergleich über unseren Kostenrechner.
Fazit
Die ausgewiesene Verwaltungsgebühr ist nur ein Teil der Wahrheit. Rechne immer Verwaltungsgebühr + ETF-TER zusammen, um die echten Kosten zu kennen. Mit unserem Kostenrechner kannst du alle 11 Anbieter direkt vergleichen — für deinen individuellen Anlagebetrag.