Die Vorstellung klingt verlockend: Jeden Monat eine Überweisung vom Depot — wie ein zweites Gehalt. Monatlich ausschüttende ETFs machen das möglich. Aber: Die meisten bekannten ETFs zahlen nur einmal jährlich oder vierteljährlich. Für echte monatliche Ausschüttungen braucht es die richtigen Fonds.
Warum überhaupt ausschüttend statt thesaurierend?
Thesaurierende ETFs reinvestieren Dividenden automatisch — maximaler Zinseszins-Effekt. Ausschüttende ETFs zahlen die Dividenden aus — weniger Automatismus, aber regulärer Cash-Flow. Für die Entnahmephase im Ruhestand oder als psychologische Motivation sind Ausschüttungen attraktiv. Mehr dazu im Vergleich: Thesaurierend vs. Ausschüttend.
| ETF | Ausschüttungsturnus | Aktuelle Rendite | TER | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| SPDR S&P Global Dividend Aristocrats | Quartalsweise | ~3,5 % | 0,45 % | 25+ Jahre steigende Dividende |
| iShares JPMorgan EM Bond USD | Monatlich | ~4,5 % | 0,45 % | Anleihen, USD-Risiko |
| Vanguard FTSE All-World High Div (Dist) | Quartalsweise | ~3,0 % | 0,29 % | Breit gestreut, günstig |
| iShares Core MSCI World (Dist) | Halbjährlich | ~1,8 % | 0,20 % | Niedrige TER, geringe Ausschüttung |
| Franklin Global Dividend (Dist) | Monatlich | ~4,0 % | 0,30 % | Dividendenfokus weltweit |
Echte monatliche Ausschüttungen: Was ist möglich?
Echte monatliche Ausschüttungs-ETFs sind überwiegend Anleihen-ETFs (wie der iShares JPMorgan EM Bond) oder Spezial-Dividenden-ETFs. Aktien-ETFs zahlen typischerweise quartalsweise oder halbjährlich.
Wer monatliche Cash-Flows aus Aktien-ETFs will, kombiniert mehrere ETFs mit unterschiedlichen Ausschüttungsmonaten. Beispiel: ETF A zahlt in Jan/Apr/Jul/Okt, ETF B in Feb/Mai/Aug/Nov, ETF C in Mär/Jun/Sep/Dez — Ergebnis: jeden Monat etwas.
Wie viel Kapital für 500 € monatlich?
Bei 4 % jährlicher Ausschüttungsrendite (brutto) und 500 € Zielausschüttung pro Monat (6.000 € / Jahr):
Benötigtes Kapital: 6.000 € ÷ 0,04 = 150.000 € (brutto)
Nach 25 % Abgeltungssteuer auf die Ausschüttung (minus 801 € Freibetrag) realistisch benötigtes Depot: ca. 175.000–200.000 €. Das zeigt: Monatliche Ausschüttungen als Einkommensersatz erfordern erhebliches Kapital. Realistischer für viele: als Ergänzung oder psychologischen Anker nutzen — mehr dazu im ETF-Entnahmeplan Guide.
Steuerliche Besonderheiten bei Ausschüttungen
Jede Ausschüttung ist sofort steuerpflichtig — anders als bei thesaurierenden ETFs, wo die Vorabpauschale oft geringer ist. Das bedeutet: Thesaurierende ETFs haben in der Ansparphase einen Steuervorteil, weil Gewinne erst beim Verkauf besteuert werden. Ausschüttende ETFs sind dagegen in der Entnahmephase einfacher — kein Verkauf nötig, kein Kurs-Timing.
Wichtig: Den Freistellungsauftrag (801 €/Person, 1.602 € bei Paaren) beim Broker einrichten — dann sind die ersten Ausschüttungen steuerfrei.
Fazit: Für wen monatliche Ausschüttungen sinnvoll sind
In der Ansparphase sind thesaurierende ETFs effizienter — Steuerersparnis und Zinseszins. In der Rentenphase oder bei Bedarf nach regulärem Cash-Flow sind ausschüttende ETFs psychologisch und praktisch attraktiver. Wer beides will: Passives Einkommen mit ETFs aufbauen — aber realistisch kalkulieren.