Ich habe drei Jahre lang meinen ETF-Sparplan bei der DKB gehabt, dann zu Trade Republic gewechselt, und verstehe jetzt besser warum die Kostenunterschiede so schwer zu vergleichen sind. Die Websites sagen alle "kostenloser Sparplan" — aber das stimmt nur auf den ersten Blick. Die echten Unterschiede liegen woanders.

Was "kostenloser Sparplan" wirklich bedeutet

Kein Neobroker verdient nichts. Das Geschäftsmodell funktioniert anders: Über den Spread (die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs), über Zinsen auf Verrechnungskonten, über Payment for Order Flow (PFOF) — wobei letzteres in der EU seit 2026 weitgehend reguliert ist. Ein "kostenloser" Sparplan kann trotzdem teurer sein als einer mit expliziter Gebühr, wenn der Ausführungskurs systematisch schlechter ist.

Für langfristige Sparpläne ist das in der Praxis aber meist vernachlässigbar. Bei einem monatlichen Sparplan auf einen großen ETF wie den MSCI World sind die Spreads gering. Wer aktiv handelt oder oft umschichtet, sollte genauer hinschauen.

Trade Republic: Der günstigste für Sparplan-Anleger

Trade Republic hat keine Sparplan-Gebühren, keine Depotgebühren, keine Mindestanlage. Sparpläne laufen ab 1 Euro monatlich. Die Ausführung erfolgt täglich (nicht nur monatlich), was den Cost-Average-Effekt noch glättet. Einmaliges Kaufen kostet 1 Euro Fremdkostenpauschale — sehr günstig.

Der Haken: Trade Republic bietet keine persönliche Beratung, kein aktives Rebalancing, keine Steueroptimierung. Du machst alles selbst. Das Zinsen-Angebot auf Verrechnungskonten (zuletzt 3% auf nicht investiertes Guthaben) ist ein Bonus, aber kein Kernmerkmal. Für wen es passt: Menschen die wissen was sie wollen, einen einfachen Sparplan aufsetzen und ihn laufen lassen.

Scalable Capital: Broker und Robo-Advisor in einem

Scalable Capital bietet zwei Dinge in einem: einen klassischen Broker-Teil (selbst investieren) und einen Robo-Advisor-Teil (automatisch verwaltet). Das Free-Broker-Modell hat kostenlose Sparpläne ab 1 Euro, aber keine kostenlosen Einzelkäufe außerhalb des Sparplans (0,99 Euro je Trade im Free-Modell). Das PRIME-Abo kostet 4,99 Euro pro Monat und erlaubt unbegrenzte kostenlose Trades.

Für wen ist PRIME sinnvoll? Wer monatlich 5+ Einzelkäufe tätigt — sonst rechnet es sich nicht. Wer ausschließlich Sparplan nutzt, braucht das Abo nicht. Der Robo-Advisor-Teil läuft separat und kostet 0,75% p.a. Gebühr auf das verwaltete Vermögen — mehr dazu gleich.

DKB: Solide, aber nicht mehr die günstigste

Die DKB hat 2023 ihr Modell geändert: ETF-Sparpläne auf alle girocard-ETFs sind kostenlos, aber das Angebot ist eingeschränkter als bei Neobrokern. Die Depotführung ist kostenlos für DKB-Girokonto-Kunden. Einmaliger ETF-Kauf außerhalb des Sparplans kostet 1,50 Euro + 0,15% (mind. 1,50 Euro, max. 25 Euro) — günstiger als viele Filialbanken, aber teurer als Neobroker.

Für wen ist die DKB sinnvoll? Wer ohnehin ein DKB-Konto hat und keine Lust auf ein separates Broker-Konto. Oder wer mehr Wert auf Seriosität und telefonischen Support legt als auf die letzten Cents Kostenoptimierung.

Selbst machen vs. Robo-Advisor: Die Kostenfrage

Hier ist die ehrliche Rechnung. Angenommen du hast 500 Euro monatlich anzulegen, über 20 Jahre, bei 7% Rendite:

AnsatzGebühren p.a.Endvermögen (ca.)Kosten über 20 Jahre
Trade Republic Sparplan (0 € Gebühr)~0%~261.000 €~0 €
Robo-Advisor (0,75% p.a.)0,75%~238.000 €~23.000 €
Robo-Advisor (1,00% p.a.)1,00%~229.000 €~32.000 €
Filialbank-Fonds (1,5% p.a.)1,50%~213.000 €~48.000 €

Die Differenz ist real — und sie wächst mit der Anlagedauer. Wer selbst einen einfachen MSCI World ETF bespart und nie rebalancen muss (weil er nur einen ETF hat), hat fast keine Nachteile gegenüber dem Robo-Advisor — außer dass er selbst handeln muss.

Wann lohnt sich ein Robo-Advisor trotzdem?

Ehrliche Antwort: Wenn du dich nicht um das Portfolio kümmern willst oder kannst. Wer einen komplexeren Ansatz fährt — mehrere Assetklassen, Rebalancing, Steueroptimierung (z.B. Tax-Loss-Harvesting bei Scalable) — bekommt beim Robo echten Mehrwert. Wer einen simplen World-ETF besparen will, braucht das nicht.

Ein anderer Faktor: Psychologie. Viele Anleger verkaufen in Crash-Phasen aus Panik — wer einen Robo-Advisor hat, dem das Rebalancing abnimmt, bleibt eher investiert. Das ist schwer in Zahlen zu fassen, aber real. Wenn du weißt dass du in Krisen zum Verkaufen neigst, ist der Robo-Advisor die Gebühr wert.

Kurzfazit: Wer wohin passt

Trade Republic ist die günstigste Wahl für den simplen Sparplan-Anleger mit einem oder zwei ETFs. Scalable lohnt sich wenn du aktiv handelst oder den Robo-Advisor nutzen willst. Die DKB ist eine solide Wahl wenn du ein DKB-Konto hast und Einfachheit über Kostenoptimierung stellst. Robo-Advisor kosten mehr, aber liefern echten Mehrwert wenn Automatisierung und Disziplin-Unterstützung wichtiger sind als die letzte Kostenoptimierung.

Wenn du dich für einen Robo-Advisor entscheidest, hilft dir der große Robo-Advisor Vergleich 2026 bei der Auswahl. Dort findest du alle Kosten, Portfoliostrategien und Rendite-Historiken im direkten Nebeneinander — inklusive Bewertung für Einsteiger und erfahrene Anleger.