Die TER (Total Expense Ratio) steht auf jeder ETF-Seite — 0,20 %, 0,07 %, 0,50 %. Das klingt transparent. Aber die TER ist nicht das Gleiche wie die Gesamtkosten. Wer nur auf die TER schaut, sieht nur einen Teil des Bildes.

Was die TER enthält — und was nicht

Die TER (auf Deutsch: Gesamtkostenquote) enthält: Verwaltungsgebühr, Lizenzgebühren für den Index, Betriebskosten des Fonds. Was die TER nicht enthält: Transaktionskosten innerhalb des Fonds, Steuern auf Dividenden (z. B. Quellensteuer), Spread-Kosten beim Kauf/Verkauf, Ordergebühren des Brokers.

Tracking Difference: Die bessere Kennzahl

Die Tracking Difference (TD) misst den Unterschied zwischen ETF-Rendite und Index-Rendite über ein Jahr. Sie umfasst alle Kosten — einschließlich der versteckten. Ein ETF mit TER 0,20 %, aber TD von 0,05 % ist günstiger als ein ETF mit TER 0,10 % und TD von 0,30 %.

ETFTER p.a.Tracking Difference 2024Effektive Kosten
iShares Core MSCI World Acc0,20 %−0,07 %−0,07 % (besser als Index!)
Vanguard FTSE All World Acc0,22 %+0,08 %0,08 % effektiv
Xtrackers MSCI World Swap0,07 %−0,03 %Negativ — Securities Lending
Amundi MSCI World0,12 %+0,05 %Günstig
ETF Kosten versteckt — TER Spread Tracking Difference wirkliche Kosten 2026

Manche ETFs haben negative Tracking Difference — das heißt, sie performen besser als der Index. Möglich durch Securities Lending: Der ETF verleiht seine Aktien gegen eine Gebühr und generiert Zusatzeinnahmen. Das reduziert die effektiven Kosten unter null.

Spread: Die unsichtbare Transaktionsgebühr

Wenn du einen ETF kaufst, gibt es einen Kaufkurs (Ask) und einen Verkaufskurs (Bid). Die Differenz heißt Spread. Wer kauft, zahlt den Ask; wer verkauft, bekommt den Bid. Der Spread ist eine implizite Gebühr bei jeder Transaktion.

Typische Spreads für große ETFs (MSCI World, FTSE All World) an der XETRA: 0,01–0,05 % bei guter Liquidität. An der gettex (Trade Republic): ähnlich, teils etwas größer. Für Sparpläne spielt der Spread eine geringere Rolle — dort bestimmt der Broker den Ausführungskurs.

Ordergebühren: Nicht vergessen

Bei Sparplänen: Meist 0 € (Trade Republic, ING, Scalable Free). Bei Einzelkäufen: 1 € (Trade Republic), 0–12 € je nach Broker und Handelsplatz. Bei kleinen Beträgen (unter 500 €) sind Ordergebühren relativ teuer.

Beispiel: 100 € Einmalanlage + 12,90 € Ordergebühr (Comdirect außerhalb Aktionsbestand) = 12,9 % effektive Gebühr. Auf Rendite 7 % gerechnet brauchst du >1 Jahr, um die Ordergebühr aufzuholen.

Gesamtkostenrechnung: TCO

Die "Total Cost of Ownership" (TCO) addiert alle Kosten:

TCO = TER + (implizite Fonds-Kosten oder Securities Lending Ertrag) + Spread/2 × Umschlagshäufigkeit + Ordergebühren/Anlagesumme

Für einen langfristigen Sparplan auf einen MSCI World ETF bei Trade Republic oder ING: TCO ~0,10–0,25 % p.a. Das ist sehr günstig. Für denselben ETF bei einer Hausbank mit Ordergebühren: TCO kann auf 0,50–1,5 % steigen.

Was wirklich zählt

Für Langfristanleger mit Sparplan: TER und Tracking Difference entscheiden. Spread und Ordergebühren sind sekundär. Für gelegentliche Einmalanlagen: Ordergebühren und Spread relevanter. Für aktive Trader: Spread und Transaktionskosten dominieren.

Günstige Broker ohne Ordergebühren: Robo-Advisor und Broker Vergleich. Tracking Differences findest du auf justETF.com oder trackingdifferences.com.