März 2020: Der MSCI World fällt innerhalb von vier Wochen um 34 %. Depot-Wert halbiert. Nachrichten voller Panik. Millionen Privatanleger verkaufen — und verpassen die darauffolgende Erholung um 60 % in weniger als einem Jahr. Das war der teuerste Fehler, den du machen kannst.
Was tun, wenn der ETF-Kurs stark fällt?
Die ehrliche Antwort: Nichts. Zumindest nicht bei deinem bestehenden Sparplan. Ein Kursrückgang bei einem breit gestreuten ETF ist kein Verlust — sondern ein temporärer Buchverlust. Verlust entsteht erst, wenn du verkaufst. Wer hält, wird in fast allen historischen Szenarien vollständig entschädigt.
Was du konkret tun kannst — und was nicht:
Crash-Handlungsmatrix: Was jetzt richtig oder falsch ist
| Maßnahme | Bewertung | Warum? |
|---|---|---|
| Sparplan weiterlaufen lassen | Richtig | Tiefe Kurse = mehr Anteile für dieselbe Sparrate. Cost-Average-Effekt wirkt maximal. |
| Sparrate temporär erhöhen | Sehr gut (wenn möglich) | Jeder investierte Euro im Tief ist doppelt wertvoll. Extrapotenzial für die Erholung. |
| Einmalanlage aus Reserve | Gut (mit Bedacht) | Nutze einen Teil des Notgroschens NICHT — aber freie Liquidität sinnvoll einsetzen. |
| Abwarten und nichts tun | Akzeptabel | Für alle, die keine Nerven für mehr haben. Gar nichts tun ist deutlich besser als verkaufen. |
| Sparplan pausieren | Neutral bis schlecht | Verpasse günstige Kaufkurse. Nur akzeptabel, wenn echte Liquiditätsprobleme bestehen. |
| ETF-Anteile verkaufen | Falsch | Buchverluste werden zu echten Verlusten. Timing des Wiedereinstiegs gelingt fast nie. |
| In "sichere" Anlagen umschichten | Falsch | Verkauf im Tief + Kauf nach der Erholung = maximaler Schaden. Typischer Privatanleger-Fehler. |
Was die Geschichte lehrt: Jeder Crash wurde überwunden
Dotcom-Crash 2000: MSCI World −50 %. Erholung in ca. 6 Jahren. Wer 2002 aufgestockt hat, hat sich verdreifacht bis 2007.
Finanzkrise 2008: MSCI World −55 %. Erholung in ca. 4 Jahren. Wer 2009 nachgekauft hat, vervierfachte bis 2020.
Corona-Crash 2020: MSCI World −34 %. Erholung in ca. 6 Monaten. Einer der schnellsten Crashes und schnellsten Rebounds der Geschichte.
Kein einziger dieser Crashes hat einen Sparplananleger dauerhaft ruiniert — wenn er investiert geblieben ist. Alle drei haben denjenigen enorm geschadet, der im Tief verkauft hat.
Psychologie im Crash: Warum wir falsch reagieren
Unser Gehirn ist nicht für Finanzmärkte gebaut. Evolution hat uns trainiert, auf Gefahren zu flüchten. Wenn das Depot −30 % zeigt, schreit das Reptilienhirn "Flucht!" — aber Flucht ist hier genau das Falsche.
Der Robo-Advisor-Vorteil: Ein Robo-Advisor hat kein Reptilienhirn. Er rebalanciert automatisch, kauft im Tief nach und verkauft nicht aus Panik. Für Anleger, die sich selbst im Crash nicht trauen, ist das ein echter Schutz — wie quirion und Scalable Capital in 2020 eindrucksvoll bewiesen haben.
Checkliste: Was du im nächsten Crash tun wirst
1. Sparplan läuft weiter — Finger weg vom "Pausieren"-Button
2. Depot-App maximal einmal pro Woche öffnen (nicht täglich)
3. Wenn freie Liquidität vorhanden: kleinen Teil nachkaufen
4. An das Anlageziel erinnern — bist du noch nicht am Ziel, spielt der aktuelle Kurs keine Rolle
5. Nachrichten reduzieren — Panik-Headlines sind für Klicks gemacht, nicht für Anlageentscheidungen
Mehr zu ETF-Grundlagen: ETF Weltportfolio aufbauen oder Wie lange ETFs halten?. Wenn du dir bei der richtigen Crash-Strategie unsicher bist: Anlegerprofil-Quiz.