Mit dem Renteneintritt endet die Ansparphase — aber die Anlageaufgabe nicht. Wer mit 65 in Rente geht, lebt statistisch noch 20–25 Jahre. Das Depot muss diese Zeit überstehen, Inflation schlagen und gleichzeitig monatliche Entnahmen liefern. Eine große Herausforderung — mit der richtigen Strategie lösbar.

Der häufigste Fehler: Alles in Tagesgeld oder Festgeld umschichten. Sicher, ja — aber bei 2–3 % Inflation verliert ein reines Zins-Portfolio real an Kaufkraft. Rentner brauchen eine Mischung aus Sicherheit und Rendite.

Asset Allocation im Ruhestand: Wie viel Aktien sind sinnvoll?

Die alte Faustregel „100 minus Alter = Aktienanteil" ist ein guter Ausgangspunkt, heute aber etwas überholt. Bei längerer Lebenserwartung empfehlen viele Finanzexperten etwas mehr Aktienanteil.

Alter Aktien-ETF Anleihen-ETF Cash / Tagesgeld Hintergrund
60–65 40 % 40 % 20 % Noch 20+ Jahre Anlagehorizont
65–70 30 % 45 % 25 % Balance aus Wachstum und Sicherheit
70–75 20 % 50 % 30 % Kapitalerhalt im Fokus
75+ 10–15 % 45 % 40–45 % Sicherheit und Liquidität dominieren

Die Entnahme-Strategie: 4-Prozent-Regel und Puffer

Die bekannteste Entnahmestrategie ist die 4-Prozent-Regel (Trinity-Studie): Du kannst jährlich 4 % des Depotwerts entnehmen, ohne das Kapital in 30 Jahren zu erschöpfen — basierend auf historischen Daten. Bei 300.000 € Depot: 12.000 € p.a. = 1.000 € monatlich.

Das Puffer-Modell ist für Rentner praktischer: 2–3 Jahre Lebenshaltungskosten auf Tagesgeld / Geldmarktfonds als Puffer. Den Rest in ETFs anlassen. Entnahme läuft aus dem Puffer — der sich bei gutem Börsenjahr wieder auflädt. Bei Crash kein Verkauf nötig.

Mehr zur Entnahme-Strategie: ETF-Entnahmeplan im Detail.

Geldanlage für Rentner 2026 Entnahme Strategie

Sequence of Returns Risk: Das größte Risiko für Rentner

Das Sequence-of-Returns-Risiko ist speziell für Rentner gefährlich: Ein starker Kursrückgang in den ersten Jahren der Entnahme kann das Portfolio dauerhaft schädigen — selbst wenn der Markt sich erholt. Wer 2008 mit Entnahmen begann, hatte es schwerer als jemand, der 2005 begann.

Schutzmaßnahmen:

  • Ausreichend Cash-Puffer (2–3 Jahre Ausgaben)
  • Variable Entnahmerate: Bei gutem Börsenjahr etwas mehr entnehmen, bei schlechtem weniger
  • Anleihen-Anteil erhöhen (stabilisiert Portfolio)
  • Konservatives Portfolio in den ersten 5 Rentennjahren

Welche ETFs für Rentner?

Kern-Aktienanteil: iShares Core MSCI World oder Vanguard FTSE All-World in ausschüttender Variante (Dist) — regelmäßige Ausschüttungen ergänzen die Entnahme natürlich.

Anleihen-Anteil: iShares Core € Govt Bond oder Amundi Euro Government Bond — stabile Basis, geringes Kursrisiko, Renditepuffer in schlechten Aktienjahren. Mehr: Anleihen-ETF erklärt.

Cash-Puffer: Tagesgeld (2–3 % Zinsen) oder Geldmarktfonds-ETF (3–3,5 %). Gibt es 2026 noch attraktive Zinsen.

Robo-Advisor im Ruhestand: Sinnvoll?

Ja — ein Robo-Advisor mit konservativem Profil (30–40 % Aktien) übernimmt Rebalancing und Steueroptimierung automatisch. Das ist für viele Rentner wertvoller als günstigere DIY-ETF-Depots. Anbieter wie quirion oder Growney eignen sich gut für konservative Profile.

Tipp: Robo-Advisor Quiz zeigt in 2 Minuten, welches Risikoprofil und welcher Anbieter für deine Situation passt.