Ich habe zwei Jahre lang Abgeltungssteuer auf Dividenden gezahlt, die eigentlich steuerfrei gewesen wären. Nicht weil ich zu viel verdient hätte — sondern weil ich schlicht vergessen hatte, den Freistellungsauftrag einzurichten. Das klingt nach einem kleinen Fehler. Auf drei Depots summiert sich das schnell auf 200+ Euro im Jahr, die du dem Finanzamt schenkst.

Hier ist was du wissen musst — ohne Bürokratie-Kauderwelsch.

Was der Freistellungsauftrag überhaupt ist

In Deutschland gilt der Sparer-Pauschbetrag: Pro Person sind 1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr steuerfrei (Stand 2026). Für Ehepaare oder eingetragene Lebenspartnerschaften zusammen 2.000 Euro. Das betrifft Dividenden, Zinsen und realisierte Kursgewinne.

Damit deine Depotbank diesen Freibetrag berücksichtigt und keine Abgeltungssteuer (26,375% inkl. Soli) einbehält, musst du ihr einen Freistellungsauftrag erteilen. Das ist kein kompliziertes Formular — bei den meisten Brokern geht das in zwei Minuten online. Ohne diesen Auftrag zieht die Bank automatisch Steuer ab, auch wenn du noch nicht mal 100 Euro Erträge hattest.

Was passiert wenn du ihn vergisst

Deine Bank behält die Steuer ein — 26,375% auf jeden Cent Kapitalertrag. Du bekommst eine Jahressteuerbescheinigung. Das Geld ist nicht verloren, aber du musst es dir über die Steuererklärung zurückholen. Anlage KAP ausfüllen, eintragen, warten. Das kostet Zeit, und viele machen es gar nicht erst — vor allem wenn sie sonst keine Steuererklärung abgeben.

Wichtig: Der Freistellungsauftrag gilt immer für das laufende Kalenderjahr. Du kannst ihn auch rückwirkend für das aktuelle Jahr noch einrichten — aber nicht für vergangene Jahre. Was weg ist, kommt nur über die Steuererklärung zurück.

Mehrere Depots: So teilst du richtig auf

Wer bei mehreren Brokern oder Banken Depots hat — zum Beispiel einen Robo-Advisor, ein Direktbroker-Konto und ein Tagesgeldkonto — muss den Freibetrag aufteilen. Die 1.000 Euro gelten insgesamt, nicht pro Institution. Du kannst also nicht bei jedem Broker 1.000 Euro freistellen.

Die sinnvollste Aufteilung richtet sich danach, wo du die meisten Erträge erwartest. Wer bei Trade Republic 800 Euro Dividenden erwartet und bei der DKB 100 Euro Zinsen, stellt 800 Euro bei TR und 200 Euro bei der DKB frei. Du kannst die Aufteilung jederzeit anpassen — auch mehrfach im Jahr, solange die Summe nicht über 1.000 Euro liegt.

Rechenbeispiel: Was du konkret sparst

Freistellungsauftrag ETF 2026 — bis zu 1.000 Euro steuerfrei

Angenommen du hast 40.000 Euro investiert, mit einer Dividendenrendite von 2%. Das sind 800 Euro Erträge im Jahr. Ohne Freistellungsauftrag zahlt die Bank 26,375% davon ab — das sind gut 211 Euro Steuer. Mit Freistellungsauftrag: null. Für ein Ehepaar mit 80.000 Euro Depot und 2% Dividenden sind das über 400 Euro jährlich, die sie einfach behalten.

Wer noch keine 1.000 Euro Erträge im Jahr hat, dem kann das egal klingen. Aber mit wachsendem Depot steigt dieser Betrag — und wer früh den Freistellungsauftrag einrichtet, gewöhnt sich auch die Logik dahinter an.

Nichtveranlagungsbescheinigung: Wann das besser ist

Für Personen die kein oder nur sehr geringes Einkommen haben — zum Beispiel Schüler, Studenten oder Rentner mit kleiner Rente — gibt es die Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung). Sie wird beim Finanzamt beantragt und gilt für drei Jahre.

Der Unterschied zum Freistellungsauftrag: Die NV-Bescheinigung befreit von der Kapitalertragsteuer in unbegrenzter Höhe — solange das Gesamteinkommen unter dem Grundfreibetrag bleibt (2026: 11.784 Euro). Das ist besonders interessant für Kinderdepots oder wenn Großeltern Vermögen auf Enkel übertragen. Für die meisten Erwerbstätigen ist der Freistellungsauftrag der richtige Weg.

Das musst du jetzt konkret tun

Logge dich bei jedem Depot ein, das du hast. Prüfe ob ein Freistellungsauftrag hinterlegt ist und in welcher Höhe. Summiere alle hinterlegten Beträge — sie dürfen 1.000 Euro nicht überschreiten (sonst macht sich die Bank bei dir meldepflichtig und das Finanzamt wird informiert). Passe die Aufteilung an wo du die meisten Erträge erwartest. Das ist alles.

SituationEmpfehlung
Ein Depot, Erträge unter 1.000 €Vollen Betrag (1.000 €) dort eintragen
Mehrere DepotsAufteilen nach erwarteten Erträgen, Summe max. 1.000 €
EhepaarGemeinsam bis 2.000 €, je 1.000 € pro Person oder zusammen beim gleichen Broker
Kind / Student ohne EinkommenNV-Bescheinigung beim Finanzamt beantragen
Freistellungsauftrag vergessenSteuerbescheinigung aufheben, in Anlage KAP zurückholen

Fazit: Schnell erledigt, dauerhaft Geld gespart

Der Freistellungsauftrag ist eine der wenigen Maßnahmen, bei denen du einmal 5 Minuten investierst und dafür jedes Jahr automatisch Geld sparst. Bis zu 263,75 Euro Steuer pro Person und Jahr — einfach einrichten und vergessen. Wer mehrere Depots hat, sollte die Aufteilung einmal im Jahr prüfen und bei Bedarf anpassen.

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