Du hast 10 Jahre lang monatlich 200 € in einen MSCI World ETF eingezahlt — 120 Kauftransaktionen zu verschiedenen Kursen. Jetzt verkaufst du 50 % deiner Anteile. Wie berechnet der Broker (und das Finanzamt) welchen Gewinn du erzielt hast?
FIFO: First In, First Out
In Deutschland gilt für Depot-Verkäufe das FIFO-Prinzip: First In, First Out. Das bedeutet: Die zuerst gekauften Anteile gelten als zuerst verkauft. Wenn du 2015 zum Kurs 50 € und 2024 zum Kurs 100 € gekauft hast und jetzt verkaufst, gelten die 2015er Anteile (teuerster Gewinn) als zuerst verkauft.
Beispielrechnung: Sparplan-Verkauf
| Jahr | Kaufkurs | Anteile | Kaufpreis gesamt |
|---|---|---|---|
| 2020 | 50 € | 20 Anteile | 1.000 € |
| 2022 | 80 € | 12,5 Anteile | 1.000 € |
| 2024 | 100 € | 10 Anteile | 1.000 € |
| Gesamt: 42,5 Anteile für 3.000 € | |||
Aktueller Kurs 2026: 120 €. Gesamtwert: 5.100 €. Du verkaufst 20 Anteile (FIFO = die 2020er Anteile): 20 × 120 € = 2.400 € Verkaufserlös. Einkaufspreis: 20 × 50 € = 1.000 €. Gewinn: 1.400 €. Abgeltungssteuer auf 1.400 € (nach Freistellungsauftrag): ca. 369 €.
Warum FIFO bei langen Sparplänen teuer sein kann
FIFO bedeutet: Die ältesten (und oft günstigsten) Anteile werden zuerst verkauft. Das kann bei langen Sparplänen zu hohen Steuern führen, weil die ersten Käufe die höchsten Gewinne aufweisen. Lösung: Wenn möglich stufenweise verkaufen und Freistellungsauftrag optimal nutzen — jährlich bis zu 1.000 € steuerfrei.
Durchschnittliche Anschaffungskosten: Gibt es eine Alternative?
In Deutschland gilt für Depots bei inländischen Brokern zwingend FIFO. Anders ist es bei Übertrag zu einem anderen Broker: Die Anschaffungskosten werden mitübertragen (nicht durch Übertrag zurückgesetzt). Bei ausländischen Brokern (z.B. Interactive Brokers) kann es Unterschiede geben. Steueroptimierung beim Verkauf: ETF Sparplan optimal auszahlen.