Mehr als 9.000 Unternehmen, über 60 Länder, alle Branchen — mit nur zwei ETFs. Das klingt zu einfach, um gut zu sein. Ist es aber nicht. Das Zwei-ETF-Portfolio aus MSCI World und MSCI Emerging Markets ist die am weitesten verbreitete Do-it-yourself-Strategie unter deutschen Privatanlegern — und das aus gutem Grund.

Warum zwei ETFs statt einem?

Ein reiner MSCI World ETF enthält ca. 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern — aber keine Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien, Taiwan oder Südkorea. Das sind immerhin ca. 12–15 % der globalen Marktkapitalisierung und rund 40 % der globalen Wirtschaftsleistung nach BIP. Wer nur den MSCI World kauft, lässt das wachstumsstärkste Segment der Weltwirtschaft außen vor.

Die Alternative MSCI ACWI (All Country World Index) enthält beides — aber mit nur ~10 % EM-Anteil nach Marktkapitalisierung. Viele Anleger wollen mehr Emerging-Markets-Gewichtung, als der ACWI bietet. Das Zwei-ETF-Portfolio löst dieses Problem durch individuelle Gewichtung.

Zwei-ETF-Portfolio Strategie aufbauen

70/30 vs. 80/20: Welche Gewichtung ist besser?

Gewichtung MSCI World MSCI EM Ansatz
Marktkapitalisierung~88 %~12 %MSCI ACWI entspricht dem
BIP-gewichtet (Kommer)~60 %~40 %Mehr EM = mehr Wachstum
Klassisch 70/3070 %30 %Weit verbreitet, Kompromiss
Konservativ 80/2080 %20 %Weniger Volatilität, mehr Stabilität

Es gibt keine wissenschaftlich "richtige" Antwort. Die 70/30-Aufteilung ist ein pragmatischer Mittelweg zwischen Marktkapitalisierung und BIP-Gewichtung. Wichtiger als die exakte Aufteilung: Konsequenz und Disziplin beim regelmäßigen Besparen.

Die günstigsten ETF-Kombinationen 2026

ETF Anbieter TER Replikation Typ
iShares Core MSCI WorldBlackRock0,20 %PhysischThesaurierend
Xtrackers MSCI World SwapDWS0,12 %SynthetischThesaurierend
iShares Core MSCI EM IMIBlackRock0,18 %PhysischThesaurierend
Xtrackers MSCI EM SwapDWS0,14 %SynthetischThesaurierend

Günstigste Kombination: Xtrackers MSCI World (0,12 %) + Xtrackers MSCI EM (0,14 %) = gewichtete Gesamtkosten bei 70/30 von ca. 0,13 % TER pro Jahr. Zum Vergleich: Ein Robo-Advisor kostet 0,5–1,0 % inklusive ETF-Kosten.

Rebalancing: So hältst du die Gewichtung

Über Zeit verschiebt sich die Gewichtung. Läuft der MSCI World besser als Emerging Markets, steigt sein Anteil von 70 % auf z. B. 75–78 %. Rebalancing stellt die Ursprungsgewichtung wieder her — entweder durch:

a) Sparplan-Rebalancing: Den monatlichen Sparplan vorübergehend auf den untergewichteten ETF konzentrieren. Kein Verkauf, keine Steuer. Funktioniert gut bei kleinen Abweichungen.

b) Klassisches Rebalancing: Einmal jährlich (z. B. zum Jahreswechsel) den übergewichteten ETF verkaufen und den untergewichteten nachkaufen. Erzeugt einen steuerpflichtigen Verkauf, wenn Gewinne realisiert werden.

Faustregel: Rebalancieren, wenn ein ETF mehr als 5 Prozentpunkte von der Zielgewichtung abweicht. Öfteres Rebalancing bringt kaum Vorteil und erzeugt unnötige Transaktionskosten.

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