Selbstständig, kein Arbeitgeber, kein bAV-Zuschuss — und der Steuerberater empfiehlt die Rürup Rente. 96 % der Einzahlungen sind 2026 steuerlich absetzbar. Das klingt nach einem Deal. Aber Rürup ist ein sehr langes Commitment — und ETF-Sparpläne haben einen entscheidenden Vorteil, den die meisten übersehen: Flexibilität.

Was ist die Rürup Rente (Basisrente)?

Die Rürup Rente ist ein staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt, das 2005 eingeführt wurde — primär für Selbstständige und Freiberufler, die keine gesetzliche Rentenversicherung haben. Einzahlungen sind bis zu einem Höchstbetrag steuerlich absetzbar. 2026: 100 % der Beiträge bis 27.566 € (Alleinstehende) / 55.132 € (Verheiratete) als Sonderausgaben abzugsfähig. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % spart das bis zu 11.578 € Steuern pro Jahr.

Rürup vs. ETF-Sparplan: Der direkte Vergleich

Kriterium Rürup Rente ETF-Sparplan
Steuerersparnis beim EinzahlenBis 42 % (Grenzsteuersatz)Keine
Auszahlung steuerpflichtig?Ja (voll, Einkommensteuer)25 % Abgeltungssteuer auf Gewinn
Kapital kündbar / auszahlbar?Nein (gesetzlich verboten)Ja, jederzeit
Vererbbar?Nur an Ehepartner/KinderUnbegrenzt
Auszahlung ab wann?Frühestens 62 JahreJederzeit
Produktkosten0,8–2,5 % p.a. (Versicherung)0,10–0,22 % p.a. (ETF-TER)
Rendite-Erwartung2–5 % p.a. (je nach Tarif)6–10 % p.a. (historisch)
PfändungsschutzJa (Insolvenzschutz)Nein
KV-Beitrag auf Rente?NeinNein (unter Freibetrag)
Rürup Rente vs ETF Sparplan Selbstständige 2026

Die Steuer-Rechnung: Wann lohnt Rürup wirklich?

Annahme: 10.000 € jährliche Einzahlung, Grenzsteuersatz 42 %. Steuerersparnis: 4.200 €. Das bedeutet: Dein Netto-Einsatz für 10.000 € Rürup-Einzahlung beträgt nur 5.800 €. Das ist ein sofortiger "Rendite-Vorteil" von 72 %. Selbst wenn die Rürup-Rente schlechte Fonds hat — dieser Steuervorteil ist schwer zu schlagen.

Aber: Im Rentenalter zahlst du auf jede Rürup-Zahlung Einkommensteuer. Wenn dein Steuersatz im Rentenalter 25 % beträgt (wahrscheinlich bei normalen Rentenbeträgen), hast du effektiv einen Steuerstundungs-Vorteil, keinen dauerhaften Steuergeschenk. Das Rürup lohnt sich dauerhaft nur, wenn dein Steuersatz jetzt deutlich höher ist als im Rentenalter.

Das Rürup-ETF-Kombi-Modell

Viele Finanzberater empfehlen inzwischen Rürup-Verträge mit ETF-Fonds statt klassischer Lebensversicherung. Fondsgebundene Rürup-Renten von Anbietern wie Condor, Neue Leben oder Swiss Life ermöglichen Investment in Aktien-ETFs innerhalb des Rürup-Mantels. Kosten: 0,5–1,5 % p.a. Gesamtkosten. Vorteil: Steuervorteil + ETF-Rendite kombiniert. Das kann für Hochverdiener (Steuersatz 42 %+) sehr attraktiv sein.

Wann ist der ETF-Sparplan trotzdem besser?

ETF-Sparplan schlägt Rürup wenn: (1) Dein Grenzsteuersatz unter 35 % liegt — dann ist der Steuervorteil zu gering. (2) Du Flexibilität brauchst — Krankheit, beruflicher Wechsel, frühzeitiger Bedarf. (3) Das Rürup-Produkt hat hohe Versicherungskosten (>1,5 % p.a.). (4) Du deinen Nachkommen Vermögen hinterlassen willst (Rürup kaum vererbbar). Als Ergänzung zur betrieblichen Altersvorsorge oder parallel zum ETF-Depot ist Rürup für Gutverdienende jedoch oft sinnvoll. Mehr zu privater Altersvorsorge im Robo-Advisor für die Rente Guide.