Inflation von 2–3 % pro Jahr klingt harmlos. Aber 2 % Inflation halbiert die Kaufkraft deines Geldes in 36 Jahren. 5.000 € auf dem Girokonto sind in 36 Jahren nur noch 2.500 € wert — in heutigen Preisen. Ein ETF-Depot mit denselben 5.000 € wäre in dieser Zeit auf ca. 38.000 € gewachsen (7 % p.a.).
Was ist Realrendite?
Die Realrendite ist die Rendite nach Abzug der Inflation. Formel vereinfacht: Realrendite ≈ Nominalrendite − Inflationsrate
Beispiel: MSCI World 8 % Nominalrendite − 2,5 % Inflation = ca. 5,5 % Realrendite. Tagesgeld 3 % − 2,5 % Inflation = 0,5 % Realrendite — kaum mehr als nichts.
Inflationsschutz verschiedener Anlageformen im Vergleich
| Anlageform | Typische Nominalrendite p.a. | Realrendite (bei 2 % Inflation) | Inflationsschutz |
|---|---|---|---|
| Girokonto | 0 % | −2 % | Keiner — aktiver Kaufkraftverlust |
| Tagesgeld (aktuell) | 2–3 % | 0–1 % | Schwach — kaum Kaufkrafterhalt |
| Festgeld (3 Jahre) | 2,5–3,5 % | 0,5–1,5 % | Minimal — je nach Laufzeit |
| Anleihen-ETF (Euro Gov.) | 2–4 % | 0–2 % | Gering — kurzfristiger Puffer |
| MSCI World ETF | 7–9 % (historisch) | 5–7 % | Stark — realer Vermögensaufbau |
| Immobilien (vermietet) | 4–6 % (Mietrendite) | 2–4 % | Mittel bis gut |
| Gold | 0–2 % (sehr variabel) | −2 bis 0 % | Unsicher — kein Cashflow |
Warum schützt ein Aktien-ETF vor Inflation?
Unternehmen können Preise erhöhen. Wenn die Inflationsrate steigt, erhöhen Unternehmen ihre Verkaufspreise — die Umsätze und Gewinne steigen nominal mit. Das Aktienvermögen folgt langfristig den nominalen Unternehmensgewinnen und damit auch der Inflation.
Das ist der strukturelle Vorteil von Aktien-ETFs gegenüber festverzinslichen Anlagen: Eine Anleihe zahlt einen fixen Zinssatz — der sinkt real, wenn die Inflation steigt. Eine Aktie repräsentiert einen Unternehmensanteil, der sich mit der Wirtschaft mitentwickelt.
Kurzfristig: ETFs sind kein Inflationshedge
Wichtige Einschränkung: Kurzfristig können Aktien in Hochinflationsphasen sogar fallen. Die Inflation 2021–2023 war von steigenden Leitzinsen begleitet, die Aktienmärkte belasteten. Aktien-ETFs sind kein Inflationshedge für 1–3 Jahre. Sie sind ein langfristiges Instrument für Kaufkrafterhalt über 10+ Jahre.
Für kurzfristigen Inflationsschutz (1–5 Jahre) eignen sich inflationsgeschützte Anleihen (TIPS oder Euro-Inflation-Linked Bonds) besser.
Konkret: Was kostet Nicht-Investieren bei Inflation?
Szenario A: 50.000 € auf dem Girokonto für 20 Jahre. Bei 2 % Inflation: echte Kaufkraft = nur noch ca. 33.600 € (−16.400 € Kaufkraftverlust).
Szenario B: 50.000 € einmalig in MSCI World ETF für 20 Jahre. Bei 7 % Nominalrendite: Depot ca. 193.000 €. Real (kaufkraftbereinigt, 2 % Inflation): ca. 130.000 €. Realer Vermögenszuwachs: +80.000 € Kaufkraft.
Nicht investieren kostet real Geld — auch wenn du nichts "verlierst" auf dem Konto.
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