Millionen Deutsche zahlen monatlich in fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherungen ein — empfohlen vom Bankberater oder Versicherungsvertreter, oft mit dem Argument "Steuervorteile" und "Fonds-Rendite". Beide Argumente stimmen teilweise. Aber die versteckten Kosten fressen einen großen Teil der Rendite auf. Hier ist der ehrliche Vergleich.

Was ist eine fondsgebundene Rentenversicherung?

Eine fondsgebundene Rentenversicherung (auch "Fondspolice") kombiniert Altersvorsorge-Versicherungsvertrag mit Investmentfonds-Anlage. Der Anleger zahlt monatlich Beiträge, die in Fonds investiert werden. Am Ende der Laufzeit gibt es eine lebenslange Rente oder eine Kapitalauszahlung.

Im Unterschied zum ETF-Sparplan: Es ist kein Depot bei einem Broker, sondern ein Versicherungsvertrag. Die Fonds gehören während der Laufzeit dem Versicherer, nicht dem Anleger. Das hat steuerliche Konsequenzen — in beide Richtungen.

Kostenvergleich: Das zentrale Problem

Kostenposition Fondspolice (typisch) ETF-Sparplan
Abschlusskosten2,5–5 % der Beitragssumme0 €
Verwaltungskosten p.a.0,5–1,5 % des Depotwertes0 € (Depot kostenlos)
Fondskosten (TER)0,8–2,5 % (aktive Fonds)0,07–0,25 % (ETFs)
Gesamtkosten p.a. (Richtwert)1,5–4,0 % p.a.0,07–0,25 % p.a.
KostenverhältnisFondspolice kostet 10–20x mehr
Fondsgebundene Rentenversicherung vs ETF Vergleich 2026

Die Steuervorteile — gibt es sie wirklich?

Versicherungsvertreter betonen zwei Steuerargumente:

Argument 1: Keine Abgeltungssteuer auf Fondsumschichtungen während der Laufzeit. Stimmt — ETF-Wechsel innerhalb der Police sind steuerfrei. Problem: In einem ETF-Sparplan schichtet man kaum um. Der Steuervorteil ist für Langfrist-Anleger mit einem oder zwei ETFs minimal.

Argument 2: Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalauszahlung nach 62 Jahren und 12 Jahren Laufzeit. Stimmt — statt 25 % Abgeltungssteuer zahlt man nur auf die Hälfte des Gewinns den persönlichen Steuersatz. Vorteil: Wer im Rentenalter wenig Einkommen hat, zahlt auf diese Hälfte oft 0–15 % — effektiv günstiger als 25 %.

Diese Steuervorteile können die Mehrkosten ausgleichen — aber nur unter bestimmten Bedingungen: langer Anlagehorizont (20+ Jahre), günstiger Tarif (ETF-Police mit indexgebundenen Fonds), und niedrigem persönlichem Steuersatz im Rentenalter. Mit teuren aktiven Fonds in der Police: kaum realistisch.

Die ETF-Police: Der bessere Mittelweg

Manche Anbieter (z. B. Cosmos Direkt, myPension, Condor) bieten ETF-Policen an — Rentenversicherungsmantel mit echten ETF-Indexfonds statt teuren aktiven Fonds. Die Gesamtkosten liegen hier bei 0,5–1,2 % p.a. statt 2–4 %. Damit können die Steuervorteile die Mehrkosten gegenüber einem reinen ETF-Sparplan tatsächlich ausgleichen — besonders für gut Verdienende mit hohem Steuersatz jetzt und erwartet niedrigem Satz im Rentenalter.

Wann kündigen — und wie?

Eine bestehende teure Fondspolice kündigen kann sinnvoll sein, ist aber nicht immer optimal: (1) In den ersten Jahren ist der Rückkaufswert oft deutlich unter den eingezahlten Beiträgen (Abschlusskosten wurden vorab verrechnet). (2) Steuerlich: Kündigung vor dem 62. Lebensjahr verliert den Halbeinküntevorteil. (3) Alternative: Beitragsfreistellung — Police läuft weiter ohne neue Einzahlungen. Das stoppt die Verwaltungskosten-Lastigkeit und erhält die Steuerstruktur.

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