"Der Markt steht auf einem Allzeithoch — soll ich wirklich jetzt einsteigen?" Diese Frage stellen sich Tausende Anleger jedes Jahr. Manchmal steht der Markt auf einem Allzeithoch. Manchmal ist er gerade abgestürzt. Immer gibt es einen Grund zu warten. Die Forschung ist eindeutig: Das Warten kostet mehr als ein schlechter Einstiegszeitpunkt.
Market Timing funktioniert nicht — das sagen die Daten
In einer bekannten Studie von Schwab Center for Financial Research wurden fünf Anlegertypen über 20 Jahre simuliert: Der "perfekte" Anleger (kauft immer am Jahrestief), der sofortige Investor, der monatliche Sparer, der schlechte Timer (kauft immer am Jahreshoch) und der Cash-Holder. Ergebnis:
| Anleger-Typ | Strategie | Endvermögen (10k € Startkapital, 20 J.) |
|---|---|---|
| Perfekter Timer | Immer am Jahrestief | ~87.000 € |
| Sofortiger Investor | Direkt am 1. Januar | ~81.000 € |
| Monatlicher Sparer | 12 gleiche Raten/Jahr | ~79.000 € |
| Schlechter Timer | Immer am Jahreshoch | ~72.000 € |
| Cash-Holder | Niemals investiert | ~19.000 € (Inflation) |
Selbst wer immer am Jahreshöchststand kauft, schlägt langfristig den Nicht-Investor um das Vierfache. Der Unterschied zwischen dem besten und dem schlechtesten Timer beträgt nur ~21 %. Der Unterschied zwischen Investieren und Nicht-Investieren: über 300 %.
Was wirklich zählt: Zeit im Markt, nicht Timing
Der Zinseszinseffekt braucht Zeit. Wer mit 25 Jahren anfängt zu investieren, hat 40 Jahre Zinseszins — wer auf den "perfekten Moment" wartet und mit 35 anfängt, hat 30 Jahre. Bei 7 % Rendite und 200 € Sparrate monatlich:
| Start-Alter | Endvermögen mit 65 | Eingezahlt | Rendite-Anteil |
|---|---|---|---|
| 25 Jahre | ~525.000 € | 96.000 € | 429.000 € Zinseszins |
| 30 Jahre | ~365.000 € | 84.000 € | 281.000 € Zinseszins |
| 35 Jahre | ~243.000 € | 72.000 € | 171.000 € Zinseszins |
| 40 Jahre | ~152.000 € | 60.000 € | 92.000 € Zinseszins |
Jedes Jahr Warten kostet dich nicht nur die Rendite dieses Jahres — es verkürzt die Zinseszins-Laufzeit für alle zukünftigen Einzahlungen.
Was tun bei hoher Einmalanlage?
Du hast 20.000 € gespart und fragst dich, ob du alles auf einmal oder in Raten investieren sollst? Die Forschung sagt: In ca. 2/3 aller Fälle ist die Sofortanlage besser als das ratierliche Einzahlen über 6–12 Monate (weil der Markt öfter steigt als fällt). Wer aber psychologisch nicht schlafen kann, wenn er kurz nach der Einmalanlage einen Crash erlebt, kann die Summe auf 3–6 Monate verteilen. Das ist ein emotionaler Kompromiss, kein optimaler Finanzplan.
Checkliste: Jetzt anfangen
Bevor du deinen ersten Sparplan einrichtest, solltest du: (1) Einen Notgroschen von 3–6 Monatsgehältern aufgebaut haben (nicht im ETF — direkt verfügbar), (2) keine Konsumentenschulden mit hohen Zinsen haben, (3) wissen, welchen ETF du besparen möchtest. Wenn diese drei Punkte erfüllt sind, gibt es keinen besseren Zeitpunkt als heute.
Starten: Depot eröffnen: Schritt für Schritt | Erstes ETF-Portfolio aufbauen | Notgroschen: Wie viel du brauchst | Sparplan-Rechner: Deine Rendite berechnen